Faktencheck

Schulisches Versagen oder Schulversager
Antonio Guaiana

Hausaufgaben, Musikunterricht, Sport, Freunde treffen und dann auch noch den Vorbildern auf YouTube und Instagram nacheifern – Dass SchülerInnen im Alter von sechs bis 18 Jahren der ständige Konkurrenzkampf und Leistungsdruck oft belastet, hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Krankenkasse KKH ermittelt. Rund 30 Prozent der deutschen SchülerInnen, ist wegen des Leistungsdrucks in der Schule häufig besorgt. Auffallend: Unter knapp 530 befragten Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 18 Jahren, legen 73 Prozent der Mädchen den Maßstab an sich selbst erheblich höher an als Jungs mit 54 Prozent. Insgesamt fühlen sich drei Viertel der befragten Jugendlichen  mindestens einmal pro Woche wegen der Schule gestresst, jeder Vierte  sogar an mehr als drei Tagen. Und es geht noch weiter: Der Kinderpsychologe Michael Schulte-Markwort nennt sogar einen Begriff, den wir sonst nur aus der Erwachsenenpsychiatrie kennen – „Burn-out“. Er ist sich sicher, dass das auch bei den Kindern angekommen ist.  Er stellte in den letzten Jahren fest, dass immer mehr Kinder und Jugendliche mit „Erschöpfungsdepression“ in seine Sprechstunde kommen – quasi einfach nur ein anderer Begriff für „Burn-out“. Als Grund für die Erschöpfungsdepression nennt er unter anderem die Tatsache, dass Schulen ihre Qualität an der Zahl der Einser-Abiturienten messen. Wenn Kinder aber permanent das Gefühl haben, den Anforderungen nicht gerecht zu werden, ist das ein erster Schritt hin zur Erschöpfungsdepression – Einschlafstörungen, Appetitmangel und Antriebslosigkeit sind dann oft die Folge.

Autorin: Laura Neubürger

Mein Leben mit Endometriose
Melanie Grabowski

Endometriose

Bei der Endometriose handelt es sich um eine chronische Erkrankung, bei der es zu gutartigen Wucherungen von Gewebe kommt, welches der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) sehr ähnlich ist. Die Endometrium-Wucherungen treten allerdings außerhalb der Gebärmutter auf. Aufgrund der Eigenschaften des Gewebes, kann es im ganzen Körper wachsen. Am häufigsten sind jedoch die Eierstöcke, Bauch- und Beckenraum, Darm und Bauchfell von den Wucherungen betroffen. Durch die Wucherungen bilden sich Zysten und Entzündungen. Das ist häufig mit starken Schmerzen verbunden.

Wie bereits erwähnt, ist das wuchernde Gewebe dem Endometrium-Gewebe, welches sich innerhalb der Gebärmutter befindet, sehr ähnlich. Das heißt, es verhält sich auch so wie dieses. Während des Menstruationsszyklus baut sich die Gebärmutterschleimhaut auf und auch wieder ab. Das betrifft auch Endometrium, welches außerhalb der Gebärmutter wächst. Das bedeutet, dass das Endometrium außerhalb der Gebärmutter ebenfalls „abblutet“. Allerdings kann es das abgebaute Gewebe den Körper nicht verlassen, wie es normalerweise das Menstruationsblut durch die Vagina tut. Demnach sammelt es sich und daraus werden dann die sogenannten Endometriose-Herde. Aus ihnen bilden sich wiederum Endometriose-Zysten. Das hat zur Folge, dass an diesen Stellen Verwachsungen, Vernarbungen und chronische Entzündungen entstehen.

Betroffene leiden dabei häufig unter starken Bauch- oder Rückenschmerzen vor und während der Periode, die auch bis in die Beine ausstrahlen können. Durch die chronischen Entzündungen haben viele Patientinnen auch unabhängig von ihrem Zyklus Schmerzen. Weitere Symptome sind starke und unregelmäßige Monatsblutungen1, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, gynäkologischen Untersuchungen oder je nach dem wo die Wucherungen auftreten beim Stuhlgang oder Urinieren. Auch zystische Blutungen aus Blase und Darm können auftreten. Viele Betroffene leiden auch an starker Erschöpfung und Müdigkeit. Zudem kann Endometriose zu Unfruchtbarkeit führen. Laut der Endometriose – Vereinigung Deutschland ist die Krankheit bei 40-60% der Frauen Grund für ihre ungewollte Kinderlosigkeit. Unter den Betroffenen treten zudem vermehrt Autoimmunerkrankungen und Allergien auf.

Schätzungsweise erkranken laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 40.000 Frauen jährlich an Endometriose. Das macht die Krankheit zu einer der häufigsten im gynäkologischen Bereich. Dennoch leiden viele Betroffene jahrelang an der Krankheit – die die Lebensqualität so erheblich beeinträchtigt – ohne eine Diagnose zu erhalten. Laut der Endometriose Vereinigung Deutschland vergehen vom ersten Auftreten der Symptome bis zur Diagnosestellung im Schnitt 6 Jahre. Da die Symptome so unspezifisch sind, ist es schwierig eine Diagnose zu stellen. Leider erleben viele Betroffene, dass ihre Beschwerden nicht ernstgenommen werden. Häufig werden auch Fehldiagnosen gestellt, bei der die Beschwerden psychogenen Ursprungs zugeordnet werden.

Doch wie stellt man eigentlich fest, ob eine Endometriose vorliegt?

Für die Diagnostik muss zunächst eine ausführliche Anamnese der Patientin erfolgen. Bei der Anamnese handelt es sich um die gesundheitliche Vorgeschichte bzw. den gesundheitlichen Allgemeinzustand. In diesem speziellen Fall würde auch auf die Schmerzsymptomatik – also wann, wo, wie oft und wie lang die Schmerzen auftreten- eingegangen. Ultraschalle und Abtastungen können ebenfalls aufschlussreich sein, um den Verdacht auf Endometriose zu erhärten. Bisher ist allerdings immer noch ein operativer Eingriff notwendig, um endgültig die Diagnose zu stellen. Hierbei wird eine Gewebeprobe, auch Biopsie genannt, entnommen. Diese wird untersucht, um festzustellen, ob es sich dabei um Endometrium-Gewebe handelt.

Jeder Endometriose-Fall ist außerdem sehr unterschiedlich. Es gibt verschiedene Schwergrade und die Endometriose-Herde können an unterschiedlichen Stellen auftreten. Es gibt also verschiedene Formen bzw. Klassifizierungen der Endometriose. 2021 wurde ein neues Klassifizierungssystem, namens Enzian veröffentlich. Dieses wurde von der Stiftung Endometriose-Forschung in Zusammenarbeit mit ExpertInnen erstellt.

Für viele Betroffene ist die Diagnose eine Erleichterung, da sie nun wissen, was der Grund für ihre Schmerzen ist. Leider gibt es bisher noch keine Heilung für die Endometriose. Eine der Hauptbehandlungsmethoden besteht aus operativen Eingriffen, um die Endometriose-Herde zu entfernen und so Schmerzen zu lindern. Da es jedoch immer wieder zu neuen Wucherungen kommt, entstehen auch immer wieder neue Herde, die wieder entfernt werden müssen. Eine weitere Therapiemöglichkeit ist eine medikamentöse Schmerzbehandlung.  Auch die hormonelle Behandlung, durch die Anti-Baby-Piller ist sehr verbreitet. Bei einigen Patientinnen schwächt die Einnahme der Pille die Symptome stark ab, weshalb diese Methode für einige Betroffenen gut funktioniert. Wichtig ist hier jedoch anzumerken, dass die hormonelle Behandlung nicht bei jeder Patientin greift und die die Symptome mit dem Absetzen der Pille wieder einsetzen.

Falls du oder jemand den du kennst an ähnlichen Symptomen leidet, gibt es mehr Informationen und Hilfsangeboten auf der Homepage der Endometriose – Vereinigung Deutschland. Wenn noch keine Diagnose gestellt wurde, könnte es helfen ein Schmerztagebuch zu führen. Mit dieser Dokumentation der Schmerzen sollte dann die Gynäkologin oder der Gynäkologe aufgesucht werden und konkret der Verdacht der Endometriose geäußert werden.

1Während der Menstruation werden im Normalfall durchschnittlich 20-60ml Blut ausgeschieden. Die Blutung hält durchschnittlich zwischen 4-7 Tagen an.

Autorin: Katharina Knierim

Vom Alkohol zurück ins Leben!
Janna Ambrosy

Suchtverhalten: Wer wird abhängig?

Alkohol kann süchtig machen – und das unabhängig von Alter oder Herkunft. Jugendliche gewöhnen sich aber schneller an Alkohol als Erwachsene. Je früher man also anfängt, regelmäßig Alkohol zu trinken, desto größer ist das Risiko einer Abhängigkeit. Circa 70 Prozent der Deutschen trinken regelmäßig, also mindestens einmal im Monat, Alkohol. Rund 9,5 Millionen Deutsche im Alter von 18 bis 64 Jahren trinken laut aktuellen Statistiken so viel Alkohol, dass sie ihre Gesundheit damit gefährden. Etwa 1,6 Millionen gelten damit als alkoholabhängig. Die Dunkelziffer von Alkoholabhängigkeit ist hoch. In Deutschland gelten rund drei Prozent der Erwachsenen als alkoholabhängig. Von den 18- bis 24-Jährigen sind inzwischen sogar etwa sechs Prozent alkoholabhängig. In unserer Gesellschaft herrscht eine weit verbreitete unkritisch positive Einstellung zum Alkohol. Durchschnittlich konsumieren wir jährlich rund zehn Liter reinen Alkohol pro Kopf. Der durchschnittliche Alkoholkonsum nahm in den vergangenen Jahren zwar ab, trotzdem ist der übermäßige Konsum und der Missbrauch von Alkohol ein großes gesellschaftliches und gesundheitsgefährdendes Problem und wird von vielen oft unterschätzt. Zudem gilt übermäßiger Alkoholkonsum als einer der wesentlichen Risikofaktoren für viele chronische Erkrankungen, wie Krebserkrankungen oder Erkrankungen der Leber und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 

Suchtverhalten: Ab wann bin ich abhängig? + Gefahr eines Rückfalls

Alkoholismus entwickelt sich meist schleichend über viele Jahre hinweg. Die Anzeichen für eine krankhafte Alkoholsucht sind jedoch klar erkennbar und oft verläuft die Sucht in bestimmten Phasen, mit jeweils charakteristischen Verhaltensweisen: Das Leben dreht sich zunehmend um die Droge Alkohol. Ohne Alkohol funktioniert nach und nach scheinbar immer weniger. Wer alkoholkrank ist, trinkt immer häufiger – um Probleme zu bewältigen und bestimmte Situationen besser erträglich zu machen. Zu einem Rausch muss es dabei nicht zwingend kommen. Die Gedanken kreisen fast nur noch um das Thema trinken und darum, die eigenen Trinkgewohnheiten vor Freunden, Familie und Kollegen zu verheimlichen. Andere Pflichten, Interessen und soziale Kontakte werden wegen des Alkoholkonsums vernachlässigt. Wird weniger Alkohol als sonst getrunken, treten körperliche und psychische Entzugserscheinungen auf. Schließlich beherrscht die Sucht den Tagesablauf und das Verhalten der Betroffenen. Aber: Nicht jeder, der über längere Zeit Alkohol in großen Mengen trinkt, wird am Ende schwer krank oder süchtig. Die Ursachen von Alkoholabhängigkeit sind vielschichtig und je nach Person unterschiedlich. Wissenschaftler gehen davon aus, dass Faktoren wie Stressempfinden, Gesellschaft, Seelische Probleme und die Biologie eines Menschen die Abhängigkeit fördern können. Das Risiko, dass beispielsweise Kinder von alkoholkranken Eltern selbst auch abhängig werden, ist laut Statistik drei- bis viermal so groß, wie bei anderen Kindern. Wer alkoholkrank ist, dem fällt es sehr schwer mit dem Trinken aufzuhören. Schuld daran ist das sogenannte Suchtgedächtnis. Alkohol aktiviert das Belohnungssystem unseres Gehirns. Es kommt zu einem Dopamin-Kick. Dopamin ist ein Botenstoff, der unser Wohlbefinden beeinflusst. Der Effekt der Dopamin-Flut: Wir sind gut drauf und fühlen uns entspannt. Es bildet sich ein Suchtgedächtnis. Unser Gehirn speichert dieses „gute Gefühl“ und erkennt das Glas Wein oder die Flasche Bier ab diesem Zeitpunkt als positiven Reiz. Und auch noch nach Jahren ohne Alkohol, kann dieser Anblick das Suchtgedächtnis relativieren – die Lust auf Alkohol steigt und mit ihr das Rückfall-Risiko. In einer Therapie können Alkoholkranke lernen, mit diesen Reizen umzugehen. Ob unser Suchtgedächtnis ganz gelöscht werden kann, können Forscher heute noch nicht sicher sagen.

Alkohol in Deutschland: Gesetzliche Regelungen

In Deutschland regelt das Jugendschutzgesetz, ab welchem Alter bestimmte alkoholische Getränke an Jugendliche abgegeben werden dürfen – beziehungsweise ab wann man Alkohol trinken darf. Dabei unterscheidet das Jugendschutzgesetz zwischen verschiedenen alkoholischen Getränken: Nämlich zwischen Bier, Wein, weinähnlichen Getränken, Schaumwein – also Sekt – oder Mischungen aus diesen Getränken. Und dann definiert das Jugendschutzgesetz noch „andere alkoholische Getränke“. „Andere“ bedeutet in dem Fall „andere alkoholische Getränke als Bier, Wein und Sekt“. Konkret also: hochprozentige, alkoholische Getränke, mit einem Mindestalkoholgehalt von 15 Volumenprozent. Doch ab wann darf man in Deutschland eigentlich welche Art von Alkohol trinken? Grundsätzlich gilt: Ab 16 dürfen Jugendliche in Deutschland Bier und Wein kaufen und trinken, „härteren“ – also hochprozentigen Alkohol erst ab 18 Jahren. Wenn Eltern oder andere sorgeberechtigte Erwachsene dabei sind und das ausdrücklich erlauben, dürfen Jugendliche, die 14 oder 15 Jahre alt sind, Bier, Wein oder Sekt in deren Beisein trinken. Für die Supermarktkasse gilt dementsprechend: Kein Alkohol unter 16 Jahren. Das Abgabe- und Konsumverbot gilt auch für alle Mischgetränke, die Spirituosen enthalten – und zwar unabhängig vom Alkoholgehalt des Mischgetränks. Mit dem vollendeten 18. Lebensjahr erreicht man in Deutschland die Volljährigkeit. Man gilt also juristisch gesehen als erwachsen. Das Trinken und Kaufen von alkoholischen Getränken jeder Art, ist damit erlaubt.

Autorin: Laura Neubürger

Die Magersucht hätte mich umgebracht!
Hanna Kopke

Magersucht

Der medizinische Begriff Anorexia nervosa, bedeutet so viel wie nervlich oder psychisch bedingte Appetitlosigkeit. Es handelt sich dabei um eine Essstörung. Die Betroffenen führen dabei gezielt einen meist starken Gewichtsverlust herbei und leiden unter der Angst zuzunehmen. In der Regel sind Betroffene untergewichtig. Das bedeutet, dass ihr Body-Mass-Index (BMI) unter 18,5 liegt. Wenn Betroffene einen normalen BMI aufweisen, spricht man von einer atypischen Anorexia nervosa. Eine weitere Untergruppe der Magersucht ist die restriktive Anorexia nervosa bei der Betroffene zusätzlich zu der geringen und kontrollierten Nahrungsaufnahme, exzessiv Sport betreiben. Der binge/purge – Subtyp zeichnet sich dadurch aus, dass auf Hungerphasen Essattacken folgen und die Betroffenen durch selbst beigefügtes Erbrechen oder durch den Missbrauch von Abführmitteln, eine Gewichtszunahme vermeiden wollen.

 Laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, könnte die Zahl der Betroffenen in Deutschland zwischen 0,3% – 1% liegen. Genau festzustellen wie viele an Magersucht leiden, ist schwierig, da Betroffene die Krankheit häufig verheimlichen. Am häufigsten kommt die Krankheit in der Altersgruppe zwischen 10 bis 25 Jahren vor. Junge Frauen sind dabei sehr viel häufiger betroffen als junge Männer. 2015 litten, laut dem Statistischen Bundesamt, 1.049 Jungen und 11.093 Mädchen – also über 10-mal so viel- an einer Essstörung.

Anorexia nervosa hat eine sehr hohe Mortalitätsrate (=Sterblichkeitsrate). Die Letalität, also die Wahrscheinlichkeit an Magersucht zu sterben liegt zwischen 5-20%. Dass die Letalitäts-Spanne so weit ist, liegt daran, dass die Wahrscheinlichkeit von verschiedenen Faktoren abhängt. Dazu gehört zum Beispiel das Körpergewicht, wie lange die Krankheit schon vorliegt, wie alt der Patient oder die Patientin bei Ausbruch der Krankheit war.

Symptome und Folgeerscheinungen

Typische Verhaltensweisen von Essgestörten sind das ständige Beschäftigen mit Lebensmitteln und Nährwerten, sowie das Ritualisieren von Mahlzeiten. Mit dem Fortschreiten der Krankheit isolieren sich Betroffene meist zunehmend. Depressionen bis hin zu selbstverletzenden Verhalten oder Suizidgedanken sind häufige Begleiterscheinungen der Anorexia nervosa. Ein weiteres Symptom der Krankheit, welches sehr häufig auftritt, ist die Dysmorphobie – also die Körperbildstörung. Betroffene nehmen sich dicker wahr als sie sind. Selbst bei massivem Untergewicht sehen einige Betroffene sich selbst als „fett“ oder „unförmig“ an. 

Je nach Ausprägung und Typ der Magersucht können die Symptome unterschiedlich ausfallen. Hier sollen jedoch die häufigsten Begleit- und Folgeerscheinungen aufgeführt werden. Die dauerhafte Mangelernährung bzw. das dauerhafte Halten von starkem Untergewicht führt dazu, dass der Körper auf „Sparflamme schaltet“. Der Stoffwechsel wird also herunter gefahren, um möglichst wenig Energie zu verbrauchen. Der Körper befindet sich dann also im „Überlebensmodus“. Da der Menstruationszyklus relativ viel Energie verbraucht und keine notwenige Funktion zum Überleben darstellt, stellt der Körper die Regelblutung gegebenenfalls ein. Je nach Schwere und Dauer der Krankheit, können betroffene auch unfruchtbar werden. Auch männliche Betroffene können als Folge der Unterernährung impotent werden.

Zudem kann durch die Mangelernährung Nerven geschädigt oder der Hormonhaushalt gestört werden. Gerade bei sehr jungen Betroffenen führt dies zu Entwicklungsverzögerungen. Die Magersucht kann auch organische Schäden hervorrufen. Häufig sind dabei die Nieren oder der Magen-Darmtragt betroffen. Bei starkem Gewichtsverlust wird zudem auch häufig Muskelmasse abgebaut. Demnach kann auch der Herzmuskel geschwächt werden, was wiederum Herzrhythmusstörungen, Durchblutungsstörungen und Kreislaufschwäche verursachen kann. Ebenfalls kann eine Osteoporose, also eine Abnahme der Knochendicht und damit der Knochenstabilität, auftreten. 

Weitere Begleiterscheinungen, die nach starkem Gewichtsverlust bzw. langem Halten des Untergewichts auftreten, sind Haarausfall; brüchige Fingernägel; trockene blasse bis durchscheinende Haut. Einigen Betroffene weisen auch eine sogenannte Lanugo-Behaarung auf. Dabei handelt es sich um kleine, flaumartige Härchen, die sonst nur Föten im Mutterleib aufweisen. Der Körper versucht sich mit Hilfe der zusätzlichen, feine Behaarung vor dem Abfallen der Körpertemperatur zu schützen. Denn durch das fehlende Unterfettgewebe kann der Körper nicht mehr so einfach die Körpertemperatur halten. Daher frieren vielen Betroffenen auch sehr häufig. Hinzu können Schmerzen im Liegen und Sitzen kommen, da nicht genug Fett vorhanden ist, um den Knochen vor dem direkten Aufliegen zu schützen.

Wenn du oder jemand den du kennst betroffen ist, findest du auf der Seite des Bundesministeriums für Gesundheit und bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Informationsmaterial und Hilfsangebote.

Autorin: Katharina Knierim

Equal Care Day: Unsichtbare Sorgearbeit im Fokus
Talkrunde: Maili Wagner, Dr. Birgit Happel, Franziska Böhler

1. Was ist ECD?

„Equal Care Day“ ist eine Initiative, die mit ihrem gleichnamigen Aktionstag weltweit Menschen, Institutionen und Verbände aufruft, auf die mangelnde Wertschätzung und unfaire Verteilung der Fürsorgearbeit – auch „Care Arbeite“ genannt – aufmerksam zu machen.Er wurde 2016 von dem AutorInnen-Team Almut Schnerring und Sascha Verlan ins Leben gerufen.

In diesem Jahr findet der Aktionstag am 1. März statt – das offizielle Datum ist aber der 29. Februar – ein Schalttag, der nur alle vier Jahre vorkommt. Ein Datum, das bewusst gewählt wurde, denn es weißt auf das Verhältnis von 4:1 bei der Verteilung von Care-Arbeit hin. 4:1 deshalb, weil 80 Prozent der Care-Arbeit von Frauen geleistet wird und Männer lediglich die übrigen 20 Prozent übernehmen. Sie bräuchten rein rechnerisch also etwa vier Jahre länger, um so viel private, berufliche und ehrenamtliche Fürsorgetätigkeiten zu leisten wie Frauen in einem Jahr. Deshalb hat es sich die Initiative zur Aufgabe gemacht, den Einsatz im Bereich Pflege und Fürsorge gleichermaßen auf beide Geschlechter zu verteilen – die Arbeit generell aufzuwerten und vor allem ihre arbeitsrechtlichen sowie gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen zu verbessern.

Auch der Zusammenhang zum „Equal Pay Day“, der am 10. März stattfindet, ist kein Zufall. Genauso wie der „Gender Pay Gap“ – also der Lohnlücke zwischen den Geschlechtern – ist auch der „Gender Care Gap“ leider Realität. Frauen verdienen durchschnittlich 19 Prozent weniger pro Stunde als Männer. Und so verhält es sich auch mit der Verteilung der unbezahlten Sorgearbeit.

Seit Mai 2020 gibt es das „Equal Care Manifest“. Es verlangt unter anderem die Anerkennung von Sorgearbeit als gesellschaftliches Grundfundament. Unter Mitwirkung von Berufsverbänden, Wissenschaftlern und Hilfsorganisationen wurden 18 Forderungen aufgestellt, zu denen neben besserer Bezahlung in Care-Berufen auch die umfassende Aufklärung von Care-ArbeiterInnen über ihre Rechte, insbesondere pflegende Angehörige, zählen. Nach aktuellem Stand (20.02.) haben 2.165 UnterstützerInnen das Manifest unterschrieben. Darunter Namen wie UN Women, Bundeszentrale für politische Bildung und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Das Ziel: Je mehr Unterschriften gesammelt werden, desto weniger können Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik darüber hinwegsehen.

2. Was ist Care-Arbeit?

„Care-Arbeit“ oder „Sorgearbeit“ beschreibt die unbezahlten und bezahlten Tätigkeiten des Sorgens und Sich-Kümmerns – die Für- und Selbstsorge. Darunter fallen Kinderbetreuung, Altenpflege – aber auch häusliche Pflege oder Hilfe unter Freunden. Betten machen, Frühstück vorbereiten, den Kindern beim anziehen helfen, in Gedanken den Tagesplan durchgehen, schnell noch die Wäsche vom Vorabend aufhängen… und so weiter. Die „Care-Arbeit“ beginnt bei der Versorgung eines Neugeborenen, reicht über die Erziehung, Bildung und Betreuung von Kleinkindern hinaus und geht bis hin zur Sterbebegleitung und Grabpflege. Sie wurde und wird noch immer überwiegend von Frauen geleistet – oft als unbezahlte Hausarbeit – und von der Gesellschaft als notwendig und selbstverständlich angesehen. Der „Care-Begriff“ der Equal Care Day-Initiative meint das ganz alltägliche, immer wiederkehrende Kümmern und Versorgen, das Organisieren von Haushalt und Familie und die Last dieser scheinbar „unsichtbaren“ Verantwortung – auch „Mental Load“ genannt.

3. Die Pflege in Würde Petition

Pflege braucht Würde! – Unter dem Namen „Gesundheitsreform für eine bessere Pflege zum Schutz der Pflegebedürftigen“, hat das Magazin ‚STERN‘ die Bundestags-Petition Mitte Januar ins Leben gerufen. Innerhalb von vier Wochen wollte das Magazin mindestens 50.000 Unterschriften sammeln, um den Forderungen in einer öffentlichen Sitzung des Petitionsausschusses im Deutschen Bundestag Gehör zu verschaffen und eine breite gesellschaftliche und politische Diskussion über die Stärkung der Pflege in Deutschland anzustoßen. Die Forderungen lauteten unter anderem:
Mehr Zeit für PatientInnen, Sofortiges Handeln bei Unterbesetzung, die Aufwertung des Berufsbildes mit höheren Gehälter, Zulagen und besseren Karrierechancen – eine konsequente Abkehr von Profitdenken und ökonomischen Fehlanreizen durch eine echte Gesundheitsreform.
Die Online-Mitzeichnungsfrist endete am 11. Februar. Mehr als 250.000 Menschen haben bis dahin für eine bessere Pflege unterschrieben.
Damit ist die Anzahl der notwendigen Stimmen erreicht und die Forderungen werden am 1. März vor dem Petitionsausschuss öffentlich angehört.

Autorin: Laura Neubürger

Gegen die Statistik – mit Anfang 20 Gründerin
Amelie Diehl

Selbstständigkeit

Im vergangenen Jahr sind 4,42 Millionen Menschen einer selbstständigen Erwerbstätigkeit nachgegangen. Das sind ca. 9,6 % aller Erwerbstätigen in Deutschland.

Doch was versteht man eigentlich unter der beruflichen Selbstständigkeit? Laut der Bundeszentrale für politische Bildung müssen gewisse Kriterien erfüllt sein, damit man von einer „echten“ Selbstständigkeit sprechen kann. Dazu gehört es die eigene „Tätigkeit frei gestalten und Arbeitszeit sowie Arbeitsort frei bestimmen können.“ Zudem sind Selbstständige nicht weisungsgebunden. Werden diese Kriterien nicht eingehalten, spricht man von einer Scheinselbstständigkeit, die jedoch nicht leicht festzustellen ist. Dies war beispielsweise bei einer bekannten Essenlieferdienste-Kette der Fall.

Anders als bei einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis müssen Selbstständige selbst für ihre Versicherungsbeiträge aufkommen. Bei ArbeitnehmerInnen liegt die Versicherungspflicht jeweils zu einer Hälfte bei Arbeitgebenden und bei Arbeitnehmenden. Auch ihre Altersvorsorge müssen selbstständige Personen selbst aufbauen.

Es gibt verschiedene Formen der Selbstständigkeit. Bei Solo-Selbstständige und Mikrofirmen handelt es sich um unabhängige Erwerbstätige, die keine weiteren MitarbeiterInnen beschäftigen. Freelancer oder auch freie MitarbeiterInnen üben eine Tätigkeit aus, die nicht der Gewerbeordnung unterliegt.  Laut der Bundeszentrale für politische Bildung gehören dazu „Ärzte, Apotheker, Anwälte oder auch Künstler.“ Außerdem unterscheide man zwischen selbstständige und unselbstständige FreiberuflerInnen. Denn Freie Berufe können auch innerhalb eines sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisses ausgeführt werden. Den Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung zufolge ist ca. ein Drittel der Erwerbstätigen in freien Berufen selbstständig.

Das Statische Bundesamt erstellt jährlich eine Arbeitskräfteerhebung. Diese wird durch den Mikrozensus erstellt, was so viel wie „kleine Volkszählung“ bedeutet. Dabei handelt es sich um eine Form der Datenerhebungen, die in kürzeren Abständen durchgeführt wird und bei der die Daten stichproblemartig erhoben werden. Basierend auf dem Mikrozensus hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung berechnet, „dass sich jedes Jahr rund ein Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung für eine Selbstständigkeit im Vollerwerb entscheidet.“

Geschlechterverteilung in der Selbstständigkeit

In Deutschland gehen 4.017 Menschen einer selbstständigen Erwerbstätigkeit nach. Dabei machen Männer anteilig 66,6% dieser Anzahl aus. Mit 1.343 also 33,4 % sind wesentlich weniger Frauen Selbstständig.

Das Problem der unausgeglichenen Geschlechterverteilung ist allerdings nicht nur bei Selbstständigen zu beobachten. Denn obwohl Frauen in Deutschland 50,8% der Bevölkerung ausmachen, sind im Jahr 2019 von 100 erwerbstätigen Personen nur 46,6 Frauen. Im selben Jahr war laut dem Statistischen Bundesamt nur jede dritte Führungsposition durch eine Frau besetzt.

In den letzten 20 Jahren zeichnet sich jedoch die Tendenz ab, dass sich der Abstand zwischen männlicher und weiblicher Erwerbsbeteiligung verringert. So lag die Zahl der weiblichen Erwerbstätigen 1999 noch bei 43,6 %  und stiegen bis 2019 auf die bereits erwähnten 46,6%. Auch die Anzahl der selbstständigen Frauen ist gestiegen. Von 1999 bis 2019 stieg die Anzahl der weiblichen Selbstständigen mit weiteren MitarbeiterInnen von 21,9% auf 25,3%. Diese Tendenz lässt sich auch bei Solo-Selbstständigen Frauen beobachten. Lage der Abteil 1999 noch 33,1%, stieg dieser 2019 auf 39,4%.

Laut der Bundesregierung ist ihnen die Förderung von Existenzgründerinnen ein wichtiges Anliegen. Um Frauen auf dem Weg in die Selbstständigkeit zu unterstützen, wurde das BGA – bundesweite gründerinnenagentur gegründet.

Autorin: Katharina Knierim

Die Geschichte einer erblindeten Make-Up Artistin
Tina Sohrab

Retinitis Pigmentosa

Retinitis pigmentosa ist eine genetische Augenerkrankungen. Sie führt zu einer Zerstörung der Netzhaut. Dabei sterben nach und nach die Sehzellen ab – sodass es zu einer schleichend fortschreitenden Erblindung kommen kann.
Weltweit leiden etwa drei Millionen Menschen an  der Retinitis Pigmentosa. Diese kann in verschiedenen Ausprägungen auf.  In Deutschland sind etwa 30.000 bis 40.000 Menschen betroffen.
Die Krankheit ist eine der häufigsten Ursachen für den Verlust der Sehkraft im mittleren Erwachsenenalter. Die Betroffen kommen meist sehend zur Welt. Im frühen Stadium der Krankheit bemerkt man den Verlust der Sehkraft- vor allem bei Dunkelheit. Die PatientInnen werden also nachtblind. Im weiteren Verlauf lässt die Sehkraft am Rande des Sichtfeldes des Auges, das auch „Gesichtsfeldes“ genannt wird, langsam nach.  Dieses verengt sich und es kommt zum sogenannten Tunnelblick. Viele Betroffene berichten, dass sie bereits im frühen Erwachsenenalter meist nur noch „wie durch eine enge Röhre“ sehen.

PatientInnen mit RP können vereinzelt noch lesen, aber sich nicht mehr im Raum orientieren. Im fortgeschrittenen Stadium führt die Erkrankung zu vollständiger Blindheit. Retinitis Pigmentosa ist eine Erbkrankheit, die an die Nachkommen weitergeben werden kann. Genauer gesagt: Inzwischen sind mehr als 80 verschiedene Gene identifiziert, die den Ausbruch der Krankheit auslösen können. Eine Heilung für die Krankheit gibt es nicht. Auch das Verlangsamen des Fortschreitens der Krankheit ist momentan noch nicht möglich. Einzelne klinische Studien deuten jedoch drauf hin, dass eine gewisse Verlangsamung des Krankheitsverlaufs möglich ist. Aufgrund der genetischen und klinischen Variabilität der Krankheitsbilder gehen die Forschenden davon aus, dass es keine allgemeingültige Behandlungsmethode geben kann.  Viel mehr wird es viele verschiedene Behandlungen für die unterschiedlichen Formen der erblichen Netzhautdegenerationen geben müssen.

Eine neue Studie gibt Anlass zur Hoffnung: Mittels einer Gentherapie könnten die defekten Gene, welche die Sehzellen Schritt für Schritt absterben lassen, durch intakte Gene gestoppt werden. Bei dieser Variante müssten aber Patienten genügend eigene, lebensfähige Netzhautzellen vorhanden haben. Das heißt: Die Krankheit muss früh erkannt werden. Bereits erblindete PatientInnen haben keine Chance auf Heilung.

Eine Betroffene des Anschlags von Halle spricht
Lara Markovic

Der Halle-Anschlag

Am 9. Oktober 2019 verübte Stephan B. einen rechtsextremistisch motivierten Anschlag in Halle an der Saale. Dabei tötete er zwei Menschen und verletzte zwei weitere.

Bei dem Tag des Anschlags handelte es sich um den höchsten jüdischen Feiertag – Jom Kippur. Im jüdischen Glauben ist dieser Feiertag auch als „Tag der Sühne“ oder „Versöhnungstag“ bekannt, an dem die Gläubige Buße tun und um Vergebung bitten. An diesem Tag versuchte Stephan B. sich gegen 12 Uhr Zuritt zu der im Paulusviertel gelegenen Synagoge zu verschaffen. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich 52 Menschen in der Synagoge. Im späteren Gerichtsprozess sagte der Täte aus, dass er geplant hatte ein  Massaker in der Synagoge zu veranstalten. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch. Trotz eines selbstgebauten Sprengsatzes und mehreren Schüssen auf die Eingangstür der Synagoge, konnte Stephan B. nicht in das Gebäude eindringen.  Dennoch kam es an diesem ersten Tatort zu einem Todesopfer. Der Täter erschoss eine Passantin – die 40-jährige Jana L., die von der Straßenbahn auf ihn zukam, um ihn wohl auf die laute Explosion anzusprechen.

Als der Täter seinen Plan in die Synagoge einzudringen verwarf, fuhr er mit seinem PKW ca. 500m zur Ludwig-Wucherer-Straße. Während er bereits auf dem Weg zum zweiten Tatort war, befand sich die Polizei noch auf dem Weg zur Synagoge, von der direkt nach der ersten Explosion ein Notruf ausging. Das nächste Ziel des Täters war der KIEZ Döner. Auch hier setzte er einen seiner Sprengsätze ein und schoss auf Passanten. Im KIEZ-Döner tötete Stephan B. das zweite Opfer- den 20-jährigen Kevin S.

Als die Polizei am zweiten Tatort eintraf, kam es zum Schusswechsel mit dem Täter. Dabei wurde dieser leicht verletzt, konnte aber dennoch in seinen Wage einsteigen und fliehen. Auf seiner Flucht verursachte der Täter noch einen Autounfall, bei dem jedoch keine weiteren Personen verletzt wurden. Gegen 13:30 Uhr wurde Stephan B. schließlich von der Polizei festgenommen und sofort in Untersuchungshaft genommen.

Ca. ein halbes Jahr später, im April 2020 wurde Stephan B. wegen 2-fachen Mordes und mehrfach versuchten Mordes angeklagt. Im Strafprozess vor dem Oberlandesgericht in Naumburg, der im Juli 2020 begann, wurde die Anklage auf 2-fachen Mord und 9-fachen versuchten Mord präzisiert. Während des Prozesses legte Stephan B. ein Geständnis ab. Prozessbeobachter schilderten, dass der Täter vor Gericht keinerlei Reue zeigte. In seinen Aussagen äußerte er sich mehrfach fremdenfeindlich und antisemitisch. Das Video, dass der Täter mit Hilfe einer Helmkamera von dem Anschlag aufgezeichnet und live im Internet übertragen hatte, war zentrales Beweismaterial für den Gerichtsprozess. Es diente dazu den Tathergang zu rekonstruieren und um die psychische Belastung, die die Überlebenden des Anschlags erlitten haben, einschätzen zu können. Während des Prozesses wurden zudem Gutachten erstellt, die die Schuldfähigkeit des Angeklagten Stephan B. belegten.

Am 21. Dezember 2020 wurde das Urteil gesprochen. Das Gericht hat die geforderte Höchststrafe von lebenslanger Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung verhängt. Zudem wurde die besondere Schwere der Schuld festgestellt. 

Autorin: Katharina Knierim

LittleBigDreams – Für ein Waisenhaus in Vietnam
Klara und Jule

Der Vietnamkrieg, der bereits 1975 endete, hat bis heute Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft. Die Bevölkerung Vietnams ist nicht homogen, sondern zeichnet sich viel mehr durch Gegensätzlichkeit aus. In den Städten wird häufig ein eher westlicher Lebensstil geführt. Zudem wird in Vietnam sehr viel Wert auf Bildung gelegt, sodass der Leistungsdruck auf die Schülerinnen und Schüler oft sehr hoch ist. Der Bevölkerungsteil, der in Städten wohnt ist, außerdem eher wohlhabend. Dieser macht jedoch nur knapp ein Vierte der Gesamtbevölkerung aus. Im starken Kontrast dazu stehen nämlich die über 75% der vietnamesischen Bevölkerung, die auf dem Land wohnt. Hier leben die meisten Menschen unter der Armutsgrenze und ernähren sich und ihre Familien von  landwirtschaftlichen Erzeugnissen und dem was sie davon verkaufen können. Trotz der Schulpflicht, die es in Vietnam gibt, besuchen nur 66 von 100 Kindern durchgängig die ersten 5 Schuljahre. Zwar werden fast alle Kinder eingeschult, allerdings müssen viele von ihnen zum Lebensunterhalt der Familie beitragen und daher arbeiten gehen. Außerdem können sich viel von ihnen weder das Schulgeld, noch die Schuluniform oder Unterrichtsmaterialien leisten.

Tritt der Fall ein, dass ein Elternteil die Familie verlässt oder stirbt, bzw. wenn ein Kind völlig verwaist, sind die meisten Familienangehörigen nicht in der Lage für das Kind zu sorgen. Häufig fehlt es dabei nicht nur an Geld für die schulische Bildung, sondern auch an der Grundversorgung. Für die meisten Kinder ist mit dem Verlust der Eltern vorprogrammiert, dass sie nicht weiter die Schule besuchen können. Angehörige geben die Kinder daher in die Obhut von Waisenhäusern. Meist erhoffen sich die Angehörigen, dass die Kinder hier nicht nur ausreichend versorgt werden, sondern auch eine Chance auf Bildung haben.

Autorin: Katharina Knierim

Lipödem ist ein Arschloch!
Melanie Grabowski

Lipödem 

Beim Lipödem handelt es sich um eine Fettverteilungsstörung. Dabei vermehrt sich entzündliches Fettgewebe in der Unterhaut. Zusätzlich entstehen auch Ödeme (also Wassereinlagerungen). Betroffen sind dabei die Arme und ganz besonders die Beine, nicht aber Hände und Füße. Die Verteilung der Fettansammlungen ist dabei symmetrisch. Das bedeutet, dass immer beide Arme und beide Beine gleichermaßen betroffen sind. Jedoch sind die Extremitäten der Betroffenen häufig unproportional dicker als der Rest des Körpers. Das Lipödem ist diätresistent. Unabhängig von Sport und Ernährung vermehrt sich das entzündliche Fettgewebe stetig weiter.

Es wird zwischen 3 Schwergraden der Krankheit unterschieden. Bei dem ersten Schwergrad ist eine leichte Reiterhose zu erkennen. Von Reiterhosen spricht man, wenn die äußeren Seiten der Oberoberschenken, so wie das Gesäß durch Fettansammlungen stärker ausgeprägt sind. Die Gewebestruktur ist während des ersten Schwergrades feinknotig. Im zweiten Lipödem-Stadium ist die Hautoberfläche bereits uneben und dellig. Die Reiterhosenform ist zu diesem Zeitpunkt schon starkausgeprägt und die Beine wirken zunehmend säulenartig, da der Umfang der Knöchel größer wird und die Knie nicht ausgeprägt zu sehen sind. Im dritten Stadium ist das Unterhautfettgewebe dick und verhärtet. Der Körperumfang hat stark zugenommen und es kann zu Fettgeschwulsten und Deformationen kommen. Häufig entwickeln die Patientinnen X-Beine.

Symptome eines Lipödems, sind neben den sichtbaren Fettansammlungen, insbesondere durchgängigen Schmerzen. Wichtig ist hierbei anzumerken, dass sich die Schmerzen nicht proportional zu der Masse des Fettgewebes verstärken. Das heißt, dass Patientinnen im ersten Stadium bereits sehr starke Schmerzen haben können. Häufig schwellen über den Tag hinweg durch die Wassereinlagerungen die Beine stark an. Patientinnen neigen außerdem dazu schnell blaue Flecken zu bekommen. Zudem sind schon geringe körperliche Betätigungen für Betroffene sehr anstrengend und schmerzhaft.

Es gibt zwei Behandlungsmethoden beim Lipödem. Die erste ist die konservative Behandlungsmethode. Sie besteht aus dem Tragen von Kompressionskleidung, also eine Kompressionshose und den Kompressionsarmstrümpfen. Diese üben einen gleichmäßigen Druck auf die Extremitäten aus, was verhindern soll, dass Wasser eingelagert wird und es zu starken Schwellungen kommt. Zudem erhalten die Patientinnen Lymphdrainage, also eine Art Massage, die zum einen die Durchblutung verbessert und zum anderen dabei helfen soll, das eingelagerte Wasser aus dem Gewebe zu befördern. Die konservative Behandlungsmethode verspricht keine Heilig. Sie kann das Vermehren des entzündlichen Fettgewebes nicht stoppen oder verlangsamen. Es hilft jedoch temporär die Wassereinlagerungen zu verringern, was die Schmerzen und Symptome der Patientinnen mildert. 

Bei der zweiten Behandlungsmethode handelt es sich um einen operativen Eingriff, namens Liposuktion oder besser gekannt als Fettabsaugung. Obwohl der Eingriff als Schönheits-OP bekannt ist, ist hier der Grund nicht ästhetischer Natur. Denn bei dem Eingriff wird nur das krankhafte Fettgewebe entfernt. Gelingt es der Chirurgin oder dem Chirurg das krankhafte Fettgewebe in Gänze zu entfernen, sind die Betroffenen nach dem Heilungsprozess schmerzfrei. Die OP läuft wie folgt ab: Die Patientinnen sind in der Regel in Vollnarkose und bekommen dann eine Flüssigkeit, bestehend aus Kochsalzlösung, Adrenalin und Betäubungsmittel in die entsprechende Stelle, an der abgesaugt werden soll, gespritzt. Dies dient dazu, dass sich das Fettgewebe aus dem Verbund löst und schließlich abgesaugt werden kann. Häufig sind mehrere Eingriffe nötig, weil es für den Körper zu belastend ist so viel Gewebe entnommen zu bekommen. Der Heilungsprozess nach der OP ist sehr langwierig.

Aktuell übernehmen die Krankenkassen die Liposuktion nur in sehr seltenen Fällen, weshalb viele Patientinnen die Kosten selbst tragen müssen. Dafür müssen bestimmt Kriterien erfüllt sein. So werden die OP-Kosten erst ab dem dritten Stadium übernommen. Dabei darf der Body-Mass-Index nicht über 35 liegen. Wie hoch die Kosten für diese Behandlungsmethode ist, kann nicht pauschal beantwortet werden, da sich die OP-Kosten von Praxis zu Praxis variieren und je nach Schweregrad entsprechend unterschiedlich viele OPs durchgeführt werden müssen. Der Gesamtbetrag jedoch häufig im niedrigen bis mittleren 5-stelligen Bereich.

Dass gesetzlichen Krankkassen die Kosten für die OP nicht übernehmen, wird vom G-BA (Gemeinsamen Bundesausschuss) damit erklärt, dass es noch keine Langzeitstudien über den Erfolg der Liposuktion als Behandlung bei Lipödem gibt. Es ist also noch nicht durch Studien untersucht, ob die OP eine Heilung darstellt oder ob und wann sich erneut krankhaftes Fettgewebe anlagern und vermehren wird. Aktuell werden Studien mit diesem Forschungsziel durchgeführt. Mit Ergebnissen ist allerdings erst 2024 zu rechnen.

In Deutschland ist rund jede achte Frau von einem Lipödem betroffen. Experten vermuten, dass du Dunkelziffer noch höher ist, da es an Aufklärung mangelt und häufig keine Diagnose gestellt wird. Es wurde festgestellt, dass in 60% der Fälle eine familiäre Häufung auftritt. Man geht also davon aus, dass Lipödem erblich bedingt ist.
Das weibliche Sexualhormon Östrogen steht im Verdacht Einfluss auf die Entstehung der Lipödem-Erkrankung zu haben. Für diese Annahme spricht auch, das die Störung häufig nach einem hormonellen Umschwung beginnt. Bei 85% der Betroffenen beginnt die Krankheit mit der Pubertät. Sie kann jedoch auch nach einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren beginnen. Männer sind nur sehr selten betroffen. In diesem Fall liegt bei ihnen jedoch eine stark ausgeprägte hormonelle Störung oder eine Leberzirrhose vor.

Autorin: Katharina Knierim

Adoption: Mein Leben ohne Eltern
Andreas Wohlers

Adoption

Andreas war bereits bei uns zu Gast. In der sechsten Folge gab es daher schon einen Faktencheck zum Thema Adoptionsrecht. Dabei wurde auf Kriterien, die Adoptiveltern erfüllen müssen  eingegangen und dargelegt welche Rechte und Pflichten im Falle einer Adoption von den biologischen Eltern abgegeben werden und von Adoptiveltern übernommen werden müssen. Außerdem wurde der Unterschied zwischen einer Pflegschaft und einer Adoption herausgearbeitet. Allerdings muss es zu eben diesen Unterschied noch einen Nachtrag geben. Denn im Zuge der aktuellen Folge kam die Frage auf, ob es finanzielle Unterstützung vonseiten des Staates für Pflege- und Adoptivkinder gibt und ob diese Unterstützung einen falschen Anreiz geben könnte, ein Kind in Obhut zu nehmen.

Im Falle einer Adoption steht den Adoptiveltern neben dem regulären Kindergeld keine finanzielle Zuwendung vom Staat zu. Anders ist es bei der Pflegschaft. Pflegeeltern erhalten eine Art Unterhaltszahlung, die sich nach dem Alter des Kindes richtet und regional unterschiedlich hoch sein kann. Diese ist steuerfrei. Dass Adoptiveltern keine Unterhaltszahlung erhalten wird damit begründet, dass das Kind mit der Adoption als rechtmäßig anerkanntes Familienmitglied bzw. als eigenes Kind anerkannt wird. Damit werden auch alle Rechte und Pflichten an die Adoptiveltern übertragen. Dies schließt auch das finanzielle Aufkommen für das Kind ein. Bei einer Pflegschaft ist es so, dass den Pflegeeltern keine Rechte am Kind zugesprochen werden. Dennoch müssen sie der Fürsorgepflicht nachkommen. Oft ist es so, dass die Kinder sehr spontan in die Pflegefamilien kommen und es daher auch zu beruflichen Einschränkungen für die Pflegeeltern kommen kann. Zudem gelten die Kinder noch als „in staatlicher Obhut“. Demnach könnte man Pflegeeltern auch weniger als Eltern, sondern viel mehr als private Pflegekräfte, die im Sinne des Staates arbeiten, verstehen. Das Pflegegeld ist demnach mehr eine „Aufwandsentschädigung“. Laut familienportal.de, welches vom Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend betrieben wird, soll das Pflegegeld die „Kosten für Verpflegung, Unterkunft, Bekleidung und weitere Bedürfnisse“ abdecken. Zudem ist ein Betrag als „Erziehungsaufwand“ in das Pflegegeld eingerechnet. 

Das Adoptionsverfahren an sich bringt einen hohen bürokratischen Aufwand mit sich. Zudem entstehen dabei auch Kosten. Bei einer Inlandsadoption müssen sich die Adoptiveltern mit Kosten von 75-100€ rechnen. Bei Auslandsadoptionen durch das Jugendamt sollte man sich auf Kosten von ca. 800€ einstellen. Adoptiert man im Ausland und abhängig von deutschen Jugendämter, kann dies bis zu 15.000-18.000€ kosten.

Wie viele Kinder und Jugendliche in den vergangen Jahren in Deutschland adoptiert wurden, wird seit 1991 vom statistischen Bundesamt erfasst. Bei den Adoptionszahlen wird zwischen Adoptionen insgesamt und Adoptionen von Kindern und Jugendlichen, die nicht mit den Adoptiveltern verwandt sind, unterschieden. 2019 wurden insgesamt 3.744 Adoptionen von Kindern und Jugendlichen durchgeführt. Davon waren 1.244 Kinder und Jugendliche nicht mit den Adoptiveltern verwandt. Auffällig ist, dass die Anzahl der Adoptionen in den letzten Jahren stark abgenommen hat. So wurden in den 1990er Jahren noch um die 7.000-8.000 Adoptionen insgesamt durchgeführt. Dass die Zahlen so stark abgenommen haben, könnte am Fortschritt der Reproduktionsmedizin liegen.

Autorin: Katharina Knierim

Wie man nicht an Glasknochen zerbricht
Leonard Grobien

Glasknochenkrankheit

Der medizinische Begriff der Glasknochenkrankheit, Osteogenesis imperfecta, leitet sich aus den griechischen Wörtern ostéon für „Knochen“, génesis  für „Entstehung“ und dem lateinischen imperfecta für „unvollkommen“ ab. Hierbei handelt es sich um eine seltene angeborenen Bindegewebsstörung. Anders als der Name vermuten lässt, sind also nicht nur die Knochen von der Krankheit betroffen, sondern auch Bänder, Sehnen, Muskeln und Knorpel.

Hervorgerufen wird die Krankheit durch einen Gendefekt. Dieser bewirkt, dass der Körper nicht ausreichend Kollagen produziert. Kollagen ist jedoch essenziell wichtig für die Bildung des Bindegewebes. Die Auswirkungen des Kollagenmangels können sehr unterschiedlich ausfallen und können von PatientIn zu PatientIn stark variieren. Daher werden verschiedene Typen bzw. Schweregrade der Krankheit unterschieden. Doch ein Symptom der Krankheit eint die verschiedenen Typen. Denn alle Betroffenen sind von einer verminderten Knochenstabilität betroffen, welche durch den Kollagenmangel entsteht und zu häufigen Knochenbrüchen schon bei geringen Anlässen führen kann. Meist nehmen die Knochenbrüche mit dem Beginn der Pubertät zu und nehmen ab, sobald das Körperwachstum abgeschlossen ist.

Effekte des Kollagenmangels bzw. mögliche Symptome einer Ostogenesis imperfecta sind Verbiegungen der Extremitäten, Hypotonie1, eine erhöhte Beweglichkeit der Gelenke, geringe Körpergröße, eine Blaufärbung der Sklera2, Fehlbildungen und Verfärbungen der Zähne, Schwerhörigkeit und Wirbelkörperbrüche oder eine Skoliose3. Die Deutschen Gesellschaft für Ostogenesis imperfecta weist zudem darauf hin, dass die Symptome der Betroffenen sehr unterschiedliche sein können und keine betroffene Person alle Symptome aufweist.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Paar ohne die Vorerkrankung ein Kind bekommt, welches von Osteogenesis imperfecta betroffen ist, liegt bei ca. 1:20.000. Die Angaben zur Häufigkeit variieren in den Quellen. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ostogenesis imperfecta, sind in Deutschland etwa 6.000 Personen von der Krankheit betroffen.

Heute kann oft schon im Mutterleib festgestellt werden, dass das Ungeborene Osteogenesis imperfecta hat. Während bzw. nach der Geburt weisen Verbiegungen der Knochen oder Knochenbrüche auf die Diagnose hin. Um diese Vermutung zu bestätigen werden dann Röntgenaufnahmen gemacht. Auf Röntgenaufnahmen wirken die Knochen von Betroffenen glasig, was ein signifikantes Diagnosemerkmal ist. Zudem kann versucht werden die Erkrankung mit einem Gentest nachzuweisen. Laut der Deutschen Gesellschaft für Osteogenesis imperfecta ist hierbei wichtig zu wissen, dass die Glasknochenkrankheit als Diagnose nicht ausgeschlossen werden kann, falls keine genetische Veränderung gefunden wird. Denn bei einigen Verlaufsformen der Krankheit kann es vorkommen, dass keine genetische Veränderung durch einen Test nachgewiesen werden kann.

Da es sich um einen angeborenen Gendefekt handelt, gibt es keine Heilung für die Krankheit. Dennoch gibt es Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten, um Symptome zu lindern und die Mobilität der Betroffenen zu erhalten oder zu verbessern. Laut der Homepage orthinform, welche vom Bundesverband für Orthopädie und Unfallchirurgie betrieben wird, fußt die Behandlungsmethode auf 3 Säulen. Die erste Säule bildet die orthopädische bzw. chirurgische Behandlung, die hauptsächlich bei Knochenbrüchen zum Zuge kommt.
Die medikamentöse Behandlung muss immer wieder angepasst und auf das Alter der betroffenen Person abgestimmt werden. Da es sich bei der Osteogenesis imperfecta nicht um eine Mineralisierungsstörung handelt, wird die zusätzliche Gabe von Calcium nicht als Therapiemethode empfohlen. Bei mittleren bis schweren Verläufen im Kindes- und Jugendalter können intravinös Bisphosphonate verabreicht werden, die bewirken, „dass bei der natürlichen Erneuerung des Knochens weniger Knochenmasse abgebaut wird“. Durch diese Behandlung können die Knochen stärker werden.
Die dritte Säule bildet die Physiotherapie. Das Ziel ist dabei die Muskulatur zu stärken und somit die Mobilität zu erhalten oder zu verbessern. Durch die gestärkte Muskulatur können sogar Knochenbrüche verringert werden.

1 Hypotonie = verringerte Muskelspannung

2 Sklera = der weiße Lederhautteil des Augapfels

3 Skoliose = Verkrümmung der Wirbelsäule zur Seite, häufig auch Verdrehungen der Wirbel

Autorin: Katharina Knierim

Trosthelden: Wenn Trauernde sprechen
Hendrik Lind

Trauerstörung

Bei der anhalten Trauerstörung handelt es sich um eine psychische Störung. Dabei zeigen Betroffene nach dem Verlust einer nahstehenden Person krankhafte Trauerreaktionen. In der Publikation „Anhalten Trauerstörung – Manuale für Einzel- und Gruppentherapien“ schreibt die Psychologin Rita Rosner, dass die Grenze zwischen normalen und krankhaften Traureaktionen fließend ist und es daher bis in die 1990er Jahre keine allgemeingültige Definition für dieses Krankheitsbild gab. Da die Kriterien des Krankheitsbildes in der Fachliteratur variieren, ist die anhaltende Traustörung auch unter anderen Begriffen wie „komplizierter Trauer“, „prolonged grief disorder“ „traumatic grief“ oder „abnormal grief“ bekannt.

Ein Hinweis darauf, dass eine anhaltende Trauerstörung vorliegen könnte, ist dass die Intensität der Trauer sechs Monate nach dem Verlust nicht abgenommen hat. Auch eine extrem starke Sehnsucht nach der verstorbenen Person ist ein Kriterium. In der ICD1 sind zudem noch die folgenden Merkmale aufgelistet: dauerhaftes und intensives Beschäftigen mit der verstorbenen Person, anhaltende Trauer, Schwierigkeiten den Tod der verstorbenen Person zu akzeptieren, Schuldgefühle oder Schuldzuweisung, Wut, das Gefühl ein Teil des Selbst verloren zu haben, Schwierigkeiten positive Gefühle zu empfinden oder emotionale Abgestumpftheit.

Trauer kann sehr unterschiedlich empfunden und ausgelebt werden. Daher kann die individuelle Trauerreaktion sehr verschieden ausfallen – genauso wie die Dauer der intensiven Trauerphase. Ebendies macht das Feststellen einer Trauerstörung so schwer. Rita Rosner stellt in der oben erwähnten Publikation fest, dass daher auch starke Trauerreaktionen zunächst nicht pathologisiert werden sollten. Denn auch der soziale, religiöse oder kulturelle Hintergrund hat starken Einfluss darauf, wie eine Person trauert. Eine therapeutische Begleitung nach dem Verlust einer nahstehenden Person kann auch denn sehr hilfreich sein, wenn keine Trauerstörung vorliegt. Neben Trosthelden gibt es auch weiter Trägern, Institutionen und Anlaufstelle für Trauerende, die an Therapeuten, Trauergruppen oder Trauerbegleiter vermitteln können.

1 ICD = Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme

Autorin: Katharina Knierim

Irak und Afghanistan: US-Marine erzählt
Dean

Posttraumatische Belastungsstörung

Die Posttraumatische Belastungsstörung oder kurz PTBS ist eine verzögerte Reaktion auf ein traumatisches Erlebnis. Hierbei ist wichtig anzumerken, dass nicht jede traumatisierte Person auch an einer Posttraumatischen Belastungsstörung leidet oder eine solche erleiden wird.
Das Trauma kann dabei durch sehr unterschiedliche Erlebnisse hervorgerufen werden, wie zum Beispiel Kriegserfahrungen, Unfälle, Gewalterfahrungen oder Naturkatastrophen. Erste Anzeichen der Belastungsstörung treten häufig einige Monate nach der Trauma-Erfahrung auf. Betroffene durchleben das Trauma dann immer wieder, sei es durch Angstträume oder Flashbacks, welche durch bestimmte Trigger ausgelöst werden. Diese Trigger können Geräusche, Gerüche oder andere Sinneseindrücke sein, die an Ort oder die Situation in der das Trauma erlebt wurde, erinnern. Betroffene beschreiben ein Gefühl von Schutzlosigkeit und ständiger Angst. Hinzu kommt, dass sich viele Betroffene nicht aktiv an den kompletten Vorgang des Traumas erinnern können. Durch das unkontrollierte Erinnern in Träumen oder durch Flashbacks, wird das Gefühl der Hilflosigkeit für die Betroffenen verstärkt.

Neben dem unkontrollierten Wiedererleben des Traumas äußert sich eine Posttraumatische Belastungsstörung durch folgende Symptome: Schlafstörung, Reizbarkeit, Schreckhaftigkeit, Konzentrationsbeschwerden und verschiedene Vermeidungsstrategien. Zudem neigen Betroffene häufig dazu Alkohol, Tabletten oder andere Formen von Drogen zu konsumieren bzw. zu missbrauchen. 
Das eben erwähnte vermeidende Verhalten zeigt sich dadurch, dass Betroffene versuchen Triggern, die Erinnerungen auslösen könnten oder als gefährlich bzw. beängstigend empfundene Situationen zu meiden. Außerdem ziehen sich Personen, die an einer Posttraumatischen Belastungsstörung leiden emotional zurück. Oft beschreiben Betroffene, dass sie sich emotional abgestumpft fühlen und Schwierigkeiten damit haben Mitgefühl zu empfinden oder auszudrücken. Je nach Schwere des Traumas kann auch dissoziatives Verhalten auftreten.

Unter Dissoziation versteht man die Spaltung von Wahrnehmung, Motorik, Gedächtnis und Identität. Eine Dissoziation kann sehr unterschiedlich ausfallen. Betroffene können zum Beispiel von der einen in die andere Minute plötzlich wie versteinert wirken. Sie sind zwar wach, aber nicht ansprechbar sein. Sie bekommen in diesem Zustand nichts von ihrer Umwelt mit und können danach Erinnerungslücken haben. Eine andere Form der Dissoziation können auch Spasmen, wie sie beim sogenannten Kriegszittern auftreten. Hierbei handelte es sich um Soldaten, die schwer traumatisiert aus dem Krieg zurückkehren und unkontrolliert zittern. In vielen Fällen haben die traumatisierten Soldaten auch große Probleme mit essentiellen Bestandteilen des alltäglichen Lebens, wie beispielsweise der Nahrungsaufnahme, Mobilität oder dem Sprechen.

United States Marine Corps

Die Marines sind ein Teil der US-amerikanischen Streitkräfte. Sie sind der zweite bewaffnete Dienst der Navy. Ihre Hauptaufgaben sind der Schutz, ggf. das Wiedereroberung und die Verteidigung von Marinestützpunkten. Außerdem sind sie für den Schutz des Präsidenten zuständig und sind die diplomatische Vertretung der Vereinigten Staaten.
Um diese Aufgaben zu erfüllen, müssen sie laut der Verfassung so aufgestellt sein, dass sie auch Missionen, die ein sogenanntes „Gefecht der verbundenen Waffen“ umfasst, durchführen können. Darunter versteht man einen Verbund aus Teilstreitkräften verschiedener Gattungen. Marines müssen demnach in der Lage sein, Missionen taktisch und operativ durchzuführen, die die Unterstützung von Luft- und/oder Bodenwaffen bedarf. Marines sind unabhängig davon welche weitere Spezialisierung oder Ausbildung sie haben, ausgebildete Infanteriesoldaten – also Bodensoldaten, die mit Handwaffen ausgerüstet sind.
Die Grundausbildung der United States Marine Corps dauert 13 Wochen und ist bekannt als eine der härtesten Ausbildungen der US-Streitkräfte. Die Ausbildung von weiblichen und männlichen Marine Corps findet getrennt voneinander statt. Während der Ausbildung werden die AnwerterInnen streng auf ihre physische und psychische Eignung geprüft. In den 3 Phasen, in die die Ausbildung unterteilt ist, werden unter anderem Inhalte zu militärischen Zeremonien, Erste Hilfe, Umgang mit Waffen und Schießtrainings vermittelt. Gegen Ende der Grundausbildung folgt die sogenannte „Feuerprobe“, bei der die angehenden Mariens an ihre physischen und psychischen Grenzen gebracht werden sollen.

Autorin: Katharina Knierim

Ich wollte Kinder, aber keinen Partner
Luisa Rohde

Heiminsemination

Der Begriff der Heiminsemination ist etwas irreführend und muss klar von der Behandlungsmethode der Insemination, welche an Kinderwunschzentren angeboten wird, unterschieden werden. Doch was heißt Insemination eigentlich? Hierbei handelt es sich um das Übertragen von Samen. Dafür wird eine frische Spermaprobe benötigt, die unmittelbar nach der Ejakulation im Labor aufbereitet wird. Samen und Samenflüssigkeit werden voneinander getrennt und dann die fruchtbarsten Samen ausgewählt. Diese werden dann anschließend direkt in die Gebärmutter der Frau übertragen.
Bei der Heiminsemination, auch bekannt als Bechermethode, finden die Schritte der Aufbereitung des Spermas oder die medizinische vor Begleitung nicht statt. Die Bechermethode läuft wie folgt ab: Der Samenspender ejakuliert in einen Becher und übergibt diesen an die Samenempfängerin. Der Samen wird dann mit einer Spritze ohne Nadelaufsatz aufgezogen bzw. in eine Besamungskappe gefüllt, sodass sich die Frau den Spendersamen einführen kann.
Um gesundheitliche Risiken bei der Bechermethode auszuschließen, ist es ratsam, dass der Samenspender sich vorab auf Geschlechtskrankheiten testen lässt und möglichst sterile Materialien für die Übertragung zu nutzen. In Apotheken sind Spritzen und Becher erhältlich. Um den Eisprung zu ermitteln, verweist Profamilia auf LH-Teststreifen. Hiermit wird der Spiegel des luteinisierenden Hormons gemessen. Das Hormon löst den Eisprung aus, weshalb der Anstieg des LH-Spiegels ein Indikator für den einsetzenden Eisprung ist. Auch die Beratung und Begleitung durch die Frauenärztin oder den Frauenarzt ist bei dieser Methode um schwanger zu werden, ratsam. In vielen Foren ist zu lesen, dass Frauen vor der Samenübertragung Hustensaft zu sich, weil dieser neben Schleim in der Lunge auch „die Konsistenz des Zervixschleims verbessern“ soll. Zu dieser Anwendung und zu anderen Hausmitteln gibt es jedoch keine wissenschaftlichen Publikationen und sollte daher vorab mit dem Arzt oder der Ärztin besprochen werden.

Co-Parenting

Co-Parenting, oder „gemeinsame Elternschaft“ ist ein Familienkonzept. Die Familiengründung findet dabei unabhängig von Geschlecht und Sexualität statt. Damit bildet das Konzept eine Alternative zum traditionellen Familienschema. Wie das Co-Parenting-Konzept umgesetzt wird, kann sehr unterschiedlichen sein. So können auch Konstellation aus mehreren Müttern und/oder Vätern entstehen. Zudem ist offen wie hoch der Erziehungsanteil der jeweiligen Elternteile ist und ob ein gemeinsamerer Haushalt geführt wird oder die Haushalte getrennt bleiben. Was die gemeinsame Elternschaft auszeichnet, ist dass die biologischen Eltern keine Liebesbeziehung führen. Wie es der Name verrät, geht es lediglich darum, ein oder mehrere Kinder gemeinsam aufzuziehen.

Das flexible Modell des Co-Parentings bietet demnach alleinstehenden Personen und auch homosexuellen Paaren, die Möglichkeit ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Ines Jogl schreibt in ihrer Publikation „Elective Co-Parenting: Entscheidungsprozesse zu gewählter Co-Elternschaft“, dass in einer Studie ermittelt wurde, „dass ein Drittel der männlichen Personen und die Hälfte der weiblichen Personen, welche die gewählte Co-Elternschaft leben, heterosexuell sind.“ Des Weiteren ist bei Jogl zu lesen, dass Personen, welche sich für die Co-Elternschaft entschieden haben, die biologische Elternschaft und das persönlich Kennenlernen des Samenspenders, als ausschlaggebende Gründe sich für dieses Konzept zu entscheiden, angaben.

Hierzu sollte man wissen, dass Spenderkinder1 seit dem 1. Juli 2018 einen Anspruch auf Auskunft über ihre biologische Herkunft haben. Ab dem 16. Lebensjahr dürfen die Spenderkinder diese Auskunft selbstständig einfordern. Zudem darf seit der neuen Regelung der Anspruch schon vor dem 16. Lebensjahr, von den sozialen Eltern verlangt werden. Dennoch dauert diese Prozedere oft sehr lang und ist teilweise nicht erfolgreich. Bei der gemeinsamen Elternschaft ist die biologische Herkunft für das Kind klar und wächst mit beiden biologischen Elternteilen auf.  

Co-Elternschaft birgt jedoch ein rechtliches Risiko. Da beiden biologischen Elternteilen auch die rechtliche Elternschaft zu steht, können von beiden Seiten Unterhaltsansprüche gelten gemacht werden. Außerdem kann ein Umgangsrecht oder das alleinige Sorgerecht beantragt werden. Co-Elternschaft ist bisher noch nicht rechtlich geregelt. Daher basieren alle Absprachen zwischen den gemeinsamen Erziehenden auf Vertrauensbasis. Für viele wird daher die Frage aufgeworfen, ob das aktuelle Familienrecht noch zeitgemäß ist.

1Spenderkinder: Kinder die durch eine Samenspende, welche aus einer offiziellen Samenbank stammt

Autorin: Katharina Knierim

Plötzlich fehlte die Luft zum Atmen
Sarah

Pneumothorax

Der Begriff setzt sich aus den altgriechischen Wörtern Pneu= Luft, Thorax= Brustkorb zusammen. Ein Pneumothorax beschreibt also das pathologische Ansammeln von Luft im Brustkorb. Etwas genauer gesagt zwischen dem inneren und äußeren Lungenfell. Dieser Zwischenraum, auch Pleuraraum genannt, ist normalerwiese durch einen dünne Flüssigkeitsfilm getrennt, in dem sich keine Luft befinden sollte. Wenn es zu einem Pneumothorax kommt, führt dies dazu, dass die Lungenflügel in sich zusammen sinken. Das wird auch Kollaps genannt.

Die häufigsten Symptome eines Pneumothorax sind stechende Schmerzen im Brustkorb, der parallel zur Atmung zu- und abnimmt. Zudem klagen PatientInnen häufig über Luftnot. Die Art und Intensität der Symptome hängt auch damit zusammen, welche Pneumothorax-Art vorliegt.
Es werden mehrere Formen unterschieden. Die häufigste Form ist der Spontanpneumothorax. Dieser kann entstehen, wenn beispielsweise ein Lungenbläschen platzt und so ein kleines Loch ein im Lungenfell entsteht. Ein Spontanpneumothorax kann sowohl bei Personen ohne Vorerkrankungen auftreten also bei Personen mit Vorerkrankungen. In diesem Fall spricht man von einem symptomatischen Pneumothorax. Der traumatischen Pneumothorax entsteht durch scharfen oder stumpfen Gewalteinfluss, wie beispielsweise einem Unfall. Durch medizinische Eingriffe, wie Biopsien, Bronchienspiegelungen oder künstliche Beatmung kann ebenfalls ein Pneumothorax entstehen. In diesem Fall spricht man von einem iatrogenen, also einem „ärztlichbedingenten“ Pneumothorax. In sehr seltenen Fällen können Pneumothoraxe auch im Zusammenhang mit der Regelblutung auftreten. Meist liegt bei den Patientinnen dann eine thorakale Endometriose vor. Das bedeutet, dass Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter bzw. bei dieser Diagnose im Brustkorb vorhanden ist. Diesen Typ nennt man katamenialen Pneumothorax, der auch Menstruations-Pneumothorax genannt wird. Bei dem Spannungspneumothorax handelt es sich um eine spezielle Form, die lebensbedrohlich werden kann. Hierbei dringt beim Einatmen Luft in den Pleuraraum. Durch eine durch eine Art „Ventilmechanismus“ kann die Luft jedoch nicht mehr entweichen, was dadazuführt, dass der Pleuraram aufgeblasen wird. Auch diese Pneumothoraxform ist zum Glück sehr selten.

Therapiemöglichkeiten

Die Behandlung eines Pneumothorax hängt von der Form und der Schwere des Falles ab. Ziel ist es jedoch immer die Luft aus dem Pleuraraum zu entfernen und einem weiteren Pneu vorzubeugen.
Bei einem leichteren Pneumothorax wird abgewartet und beobachtet, ob es zur Selbstheilung kommt. Die Luft kann vom Körper wieder aufgenommen werden und ein invasiver Eingriff vermieden werden. In den Informationen der Uni Freiburg ist zu lesen, dass PatientInnen bei dieser Behandlung stationär überwacht werden sollten und die Gabe von Sauerstoff den Heilungsprozess beschleunigen kann.
Invasive Behandlungsformen können Luftaspiration, also das Absaugen der Luft oder operative Eingriff sein. Für Luftaspiration gibt es mehrere Methoden, doch die häufigste ist die Pleuradrainage, bei der die Luft mit Hilfe eines Schlauchs – der Drainage – abgesaugt wird. Auch für bei den operativen Behandlungsmethoden gibt es mehrere Herangehensweisen. Bei der Pleurodese werden das Lungenfell und das Rippenfell miteinander verklebt. So wird verhindert, dass sich Luft im Zwischenraum ansammeln kann und die Lungenflügel in sich zusammenfallen.
Bei der Pleurektomie wird das Rippenfell operativ entfernt. Wenn eine partielle Pleurektomie vorgenommen wird, wenn also nur ein Teil des Rippenfells entfernt wird, dann kann dies ebenfalls zu einer Verklebung führen. Dieser Eingriff wird allerdings nur vorgenommen, wenn es wiederholt zu Luftansammlungen kommt, wie es im Fall unseres Gastes Sarah war. Bei ihr wurde eine Lungenspitzen Teilresektion durchgeführt. Hierbei muss angemerkt werden, dass der Eingriff der partiellen Pleurektomie das Risiko eines Rückfalls nicht ausschließt, sondern lediglich verringert.

Autorin: Katharina Knierim

Gespräche mit Verstorbenen im Jenseits
Tanja Schlömer

Parapsychologie

Wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit dem Übernatürlichen bzw. mit Phänomenen, die mit dem herkömmlichen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen nicht zu erklären sind, werden unter dem Forschungszweig der Parapsychologie, zusammengefasst. Geprägt wurde dieser Begriff 1889 von dem Berliner Psychologen und Philosophen Max Dessoir. Parapsychologie bedeutet so viel wie „Neben-Seelenkunde“ und versteht sich als interdisziplinäres Fach, welches sich mit Grenzgebieten der Psychologie, Biologie und Physik befasst. Forschungsgegenstand sind sogenannte Psi-Phänomene. Psi steht für den 23. Buchstaben des griechischen Alphabets. In der Physik wird der Buchstabe als Symbol für die Wellenfunktion verwendet. Im Kontext der Parapsychologie steht es für außersinnliche Wahrnehmungen und paranormale Fähigkeiten. Die sogenannten Psi-Phänomene werden in 2 Unterformen unterteilt: die „Psi-Kognition“ oder auch „Außersinnliche Wahrnehmung“ und die „Psi-Aktion“ auch „Psychokinese“ genannt. Zu den Außersinnlichen Wahrnehmungen zählen Telepathie, Hellseherei und Präkognition. Psi-Aktionen sind hingegen physikalische oder biologische Phänomene, die ohne Außenwirkung auftreten und nicht naturwissenschaftlich zu erklären sind.

Die wissenschaftliche Methodik der Parapsychologie besteht hauptsächlich aus empirischen bzw. quantitativ-statistische Forschungsansätzen. Das heißt es werden Daten erhoben, gesammelt und statistisch ausgewertet. KritikerIn sehen in eben dieser eingeschränkten Methodik ein Problem. Der Vorwurf lautet, dass es sich bei der Parapsychologie um eine Pseudowissenschaft handle. Denn die Forschung beweist nicht, dass das Übernatürliche tatsächlich existiert oder wie und wo es entsteht.

EREAMS- Studie

EREMAS steht für  „Empirical Research of the Effectiveness and Authenticity of Messages from Spirit“. Bei der Studie handelt sich also um empirischen Forschungsansatz, der Wirkung und Authentizität von Botschaften aus der geistigen Welt untersucht. Im Zeitraum von März 2019 bis April 2020 wurde eine Datenerhebung mit 243 Jenseitskontakten durchgeführt. Die Studie ist wie folgt aufgebaut: Die sogenannten Sitter, also Personen die ein Medium aufsuchen und Kontakt zu einer verstorbenen Person herzustellen, füllen einige Wochen nach ihrer 45-münigten Sitzung mit einem Medium einen Fragebogen aus. Dieser Fragebogen soll nicht nur zur quantitativen Datenerhebung dienen, sondern zielt auch auf die Erfassung qualitativer Daten ab. So werden auch Fragen zur Glaubwürdigkeit des Gesprächs gestellt bzw. sollen angegeben werden ob das Medium verifizierbare Beweise erbringen konnte, dass tatsächlich ein Kontakt mit der verstorbenen Person stattgefunden hat. Zudem wird danach gefragt, welche Auswirkungen die Kontaktaufnahme auf den Sitter hatte. Explizit wird dabei erfragt wie trostspendend das Gespräch war und wie sich der Kontakt auf den persönlichen Glauben an eine geistige Welt ausgewirkt hat.

Leiter des Projekts bzw. der Studie ist Prof. Dr. rer. medic. Oliver S. Laza. Zum Projektteam gehören außerdem das Medium Bettina-Suvi Rode, die Psychologische Psychotherapeutin Kathrin Stephan und unser heutige Interviewgast Tanja Schlömer. Die Ergebnisse der Studie sind bisher noch nicht veröffentlicht. Die Publikation, die den Arbeitstitel „Jenseits von Materie“ trägt, soll  im Herbst 2021 erscheinen.

Autorin: Katharina Knierim

Dein Körper ist genug
Caroline Gugu

Das Projekt Dein Körper ist genug setzt sich für die Vielfalt von Körpern in den Medien ein. Kleiner Satz, große Wirkung.
Auf den Fotos zeigen sich unterschiedliche Menschen: Groß, klein, dick, dünn, mit Handicap, Pickeln, Essstörungen ….  bis hin zum Einfluss von Schwangerschaften auf den Körper und die Probleme mit dem „Frau-Sein“ aus der Sicht einer Muslima.
So werden auch traurige, bedrückende Geschichten erzählt, ohne Mitleid zu erwecken.
Denn mitfühlen, statt mitleiden – tolerieren und akzeptieren, statt zu urteilen und zu verurteilen, das ist die Botschaft von „Dein Körper ist genug“.
Die Bilder sollen Medien und Gesellschaft sensibilisieren.
Fakt ist, dass über 90% der Frauen weltweit ihren Körper hassen. Der ständige Vergleich mit retuschierten Bildern in den Medien macht Menschen unglücklich und krank, ganz gleich welches Geschlecht wir haben.
Die Folgen sind zahlreich: Essstörungen, Diäten, selbst verletzendes Verhalten, Selbstabwertung, das Leben nicht mehr genießen können.
Die Angst vor dem Spiegel, und die Angst vor Hässlichkeit ist eine körperdysmorphe Störung, kurz: KDS.
Je mehr sich die Betroffenen mit ihrem Aussehen beschäftigen, umso mehr richtet sich der Blick auf die scheinbaren Schönheitsmakel, umso mehr verfestigt sich der Eindruck der eigenen Unattraktivität.
Um diesen Schönheitsidealen entgegen zu wirken und mehr Realität in die Medien zu bringen und zu zeigen wie wunderschön echte Körper sind – dafür setzen sich die Initiatorinnen ein.
Die Echtheit stammt, laut ihnen, aus der Diversität und Authentizität der Menschen.

Autorin: Shannon Gäde
Präsentiert von: Dein Körper ist genug

https://www.ardmediathek.de/ard/video/frau-tv/wir-alle-sind-richtig-so-wie-wir-sind/wdr-fernsehen/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLTBkOWM5OWIyLTg3YjYtNDI2Ny05MDRmLTc5MjlkMTQ3OTA4MA/

Wer bin ich, wann darf ich sein?
Andreas Wohlers

Depression

Was ist eigentliche eine Depression und wie äußert sie sich?
Depressionen können sich auf verschiedene Art und Weisen äußern. Um die Diagnose Depression zu stellen orientieren sich ÄrtzInnen und PsychologInnen an den folgenden Hauptsymptomen: Verlust von Interesse und Freude, depressive Stimmung und verminderter Antrieb. Auch folgende Nebensymptome wie: Schlafstörung, Suizidgedanken, Verminderte Konzentration, Schuldgefühle, Appetitminderung, negative und pessimistische Zukunftsperspektiven, Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, gehören zu dem Krankheitsbild.

Mindestens 2 der eben aufgezählten Hauptsymptome und mindestens 2  der Nebensymptome, müssen über einen Zeitraum von länger als zwei Wochen auftreten, um die Diagnose Depression stellen zu können. Je nach Anzahl und Ausprägung der Symptome wird eine leichte, mittelgradige und schwere Depression festgestellt.
Auch körperliche Symptome, wie Kopf- oder Rückenschmerzen, Taubheitsgefühl in den Gliedmaßen, Herz-Kreislaufbeschwerden, Rückgang der Libido, Schwindel oder Tinitus können auftreten. Die Deutsche Depressionsliga schreibt hierzu, dass die somatischen (also körperlichen) Beschwerden oft dazu führen, dass MedizinerInnen sich zunächst auf die Behandlung dieser Beschwerden konzentrieren und das Stellen der tatsächlichen Diagnose Depression verzögert wird.
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) listet als Ursachen und Risikofaktoren psychosozialen Ursprungs folgende Punkte: eine Depression kann erblich bedingt sein. Belastende Erlebnisse oder chronische Angststörungen können ebenfalls zu Depressionen führen. Auch körperliche Erkrankungen können psychisch belastend sein und Depressionen hervorrufen.

Auslöser einer Depression können sowohl psychosozialen als auch neurobiologischen Ursprung haben. In unserem Gehirn werden Neurotransmitter, sogenannte Botenstoffe zwischen Nervenzellen transportiert, wie zum Beispiel Serotonin. Serotonin ist unter anderem auch verantwortlich für die emotionale Regulierung in unserem Nervensystem. Bei einer depressiven Störung ist die Übertragung dieses Botenstoff gestört und die Nervenzellen leiten diesen Neurotransmitter nur erschwert oder gar nicht weiter. Allerdings ist zu beachten, dass eine rein neurobiologische Betrachtung schwierig ist, da die Funktionsstörung der Botenstoffe von mehreren Wechselwirkungen und Rückkopplungen beeinflusst ist.  Eine Depression lässt sich nicht ausschließlich auf Mangel an Serotonin zurückführen. Die Deutsche Depressionshilfe weist darauf hin, dass Ursachen und Faktoren oft sehr vielfältig sind und nicht einseitig betrachtet werden können um eine umfassende Diagnose und Behandlung zu bestimmen.

Das Robert Koch Institut veröffentlichte zuletzt 2017 eine Statistik, welche im Zeitraum von November 2014 – Juli 2015 erhoben wurde. Nach dieser Statistik besteht eine depressive Symptomatik bei circa 10,1% der erwachsen Menschen ab 18 Jahren in Deutschland.
Die Deutsche Depressionshilfe misst circa 5,3 Millionen Menschen die in Deutschland jährlich an Depressionen erkranken. Nach ihren Messungen werden Frauen, im Vergleich zu Männern doppelt so oft diagnostiziert. Jede fünfte Person erkrankt in Deutschland einmal im Leben an einer Depression.

Autorin: Katharina Knierim

Wer bin ich, wann darf ich sein?
Andreas Wohlers

Adoptionsrecht

Klären wir zunächst den Unterschied zwischen Adoption und Pflegschaft.
Die Übernahme der Pflegschaft für ein Kind ist nicht mit einer Adoption gleich zusetzten. Hierbei gibt es rechtlichen Unterschied. Kommt ein Kind in eine Pflegefamilie bleiben den leiblichen Eltern Rechte und Pflichten an dem Kind erhalten. Das Sorgerecht kann jedoch zum Teil oder in Gänze von einem Amtsvormund des Jugendamts oder von einem ehrenamtlichen Vormund übernommen werden. Wie das Sorgerecht geregelt ist hängt damit zusammen aus welchen Gründen das Kind in die Pflegschaft kommt. Diese Gründe können sehr unterschiedlich sein, wie zum Beispiel Überforderung, psychische Erkrankungen der Eltern oder wenn eine Kindswohlgefährdung festgestellt wird. Wie Kindswohlgefährdung definiert und geahndet wird, ist im Bürgerlichen Gesetzbuch unter dem Paragraphgen 1666 festgehalten. Ein Link dazu findet ihr in der Quellenliste.

Geben die leiblichen Eltern ihr Kind zur Adoption frei, geben sie auch alle Rechte und Pflichten, die mit einer Elternschaft verbunden sind, ab. Mit der Adoption nimmt das Kind Nachname und ggf. Nationalität der Adoptiveltern an und gilt nicht mehr als verwandt mit den leiblichen Eltern.
Beratungs- und Vermittlungsstellen für Adoptionen sind das jeweilige Jugendamt, Adoptionsdiensten in katholischer Trägerschaft, Evangelische Adoptionsberatungsstellen oder Findefux e.V.. Diese Einrichtungen sind sowohl für leibliche Eltern, die ihr Kind zur Adoption frei geben möchten, also auch für potenzielle Adoptiveltern zuständig. Informationen und Beratung erhält man auch bei Pro Familia. Allerdings ist der Verein keine Adoptionsvermittlungsstelle.

Menschen die ein Kind adoptieren möchten, die auch als „BewerberInnen“ bezeichnet werden, werden von der jeweiligen Vermittlungsstelle auf ihre Eignung geprüft. Ein Kriterium ist zunächst das Alter. Adoptiveltern müssen mindestens 25 Jahre alt sein. Eine Ausnahme sind Eheleute, denn hier darf einer von beiden jünger als 25 sein. Das Mindestalter in diesem Fall liegt bei 21 Jahren. Ein Höchstalter gibt es nicht. Allerdings ist in alle Richtlinien zu lesen, dass der Altersunterschied zwischen den Adoptiveltern und dem Adoptivkind einem „natürlichen Abstand“ entsprechen sollte. Zudem werden bei den sogenannten BewerberInnen folgende Kriterien geprüft:  „Persönlichkeit“ (darunter fällt auch die Motivation ein Kind zu adoptieren), ggf. die Stabilität der Partnerschaft, Erziehungsvorstellungen, Wohnverhältnisse, wirtschaftliche Verhältnisse und Gesundheit (hierbei soll sichergestellt werden, dass die Adoptiveltern physisch und psychisch in der Lage sind auch noch lange für ein Kind zu sorgen).
Sowohl Paare als auch Alleinstehende können Kinder adoptieren. Ehepaare können jedoch nur gemeinsam adoptieren. Bzw. können auch Stiefkinder adoptiert werden. Seit dem 1. Oktober 2017 gelten diese Rechte auch für gleichgeschlechtliche Paare. Das Bundesministerium für Senioren, Frauen und Jugend schreibt dazu „Die Voraussetzungen für gleichgeschlechtliche Bewerberinnen und Bewerber für eine Adoption sind damit identisch mit denen von gemischtgeschlechtlichen Bewerberpaaren.“

Autorin: Katharina Knierim

Ich male mit Menstruationsblut
Caroline Hopp

Menstruation als Tabuthema

Wir alle kennen es. Wenn es um Damenhygieneartikel geht … sprich Binden und Tampons, wird in der Werbung mit Wörtern wie sicher, sauber, diskret und frisch gearbeitet. Zur Demonstration der Saugstärke der entsprechenden Produkte wird mit blauer Flüssigkeit gearbeitet. KritikerInnen sehen in der Art und Weise wie diese Produkte beworben werden ein Verstärken des schambehafteten Images der Regelblutung.

Der Ursprung der Tabuisierung der Regelblutung liegt jeden schon viel weiter zurück und ist daher schon sehr lange gesellschaftlich verankert. Die Menstruation galt und gilt auch heute noch als Symbol der Unreinheit oder der Minderwertigkeit der Frau. Diese negative Konnotation der Menstruation ist in sehr vielen Kulturkreisen und in allen 5 Weltreligionen mehr oder weniger stark ausgeprägt, zu finden. In ihrer Publikation „Die Menstruation in der Ethnologie“ schreibt Brigitte Hug, dass die negative Konnotation der Regelblutung in den Religionen auch dazu diente eine Unterscheidung zwischen dem Heiligen und dem Profanen, also dem Weltlichen herzustellen.

Neben den Religionen sah auch die Wissenschaft die Menstruation als etwas Negatives an. So gab es im Mittelalter Theorien dazu, dass Menstruationsblut giftig sein. Aus medizinischen Schriften der Antike geht hervor, dass man davon ausging, dass der weibliche und der männliche Körper identisch aufgebaut sind. Die Menstruation und die Tatsache, dass sich die primären und sekundären Geschlechtsmerkmale der Frau sich von dem des Mannes unterscheiden, wurde als Minderwertigkeit der Frau ausgelegt.

Menstruation

Hier eine kleine Wissensauffrischung zum Thema Menstruation. Also…  Was passiert bei der Periode bzw. warum blutet man.1 Um zu verstehen was bei der Menstruation passiert,  ist es zunächst wichtig zu wissen, dass der Zyklus durch Hormone gesteuert wird. Bei diesen handelt es sich um die Sexualhormone Östrogen und Progesteron. Im Verlauf des Zyklus steigt und fällt die Konzentration des jeweiligen Hormons.

Der Zyklus beginnt damit, dass eine Eizelle im Eierstock heran reift.² Gleichzeitig baut sich die Gebärmutterschleimhaut auf, um sich für eine mögliche Einnistung einer befruchteten Eizelle vorzubereiten. Außerdem werden Blutgefäße gebildet um ggf. den Mutterkuchen (auch Plazenta genannt) aufbauen zu können. In dieser ersten Phase des Zyklus ist der Östrogenspiegel besonders hoch. Wenn die Eizelle reif ist, kommt es zum Einsprung. Die unbefruchtete Eizelle wandert vom Eierstock, durch den Eileiter hin zur Gebärmutter. Nun sinkt der Östrogenspiegel und die Progesteron-Konzentration steigt an. Wird die Eizelle auf ihrem Weg zur Gebärmutter nicht befruchtet, wird die zuvor aufgebaute Gebärmutterschleimhaut abgestoßen und die Menstruationsblutung tritt ein. Die Menstruation besteht übrigens nicht auf nur aus Blut, sondern enthält auch Schleimhaut- oder Gewebeteileichen.

Die Blutung kann zwischen 4-7 Tage andauern. Das ist allerdings sehr individuell. Während der Periode werden durchschnittlich zwischen 20-60ml Blut ausgeschieden. 60ml entsprechen 4 Esslöffeln. Von einer starken Menstruation spricht man ab 80ml pro Zyklus. Neben der Dauer und der Menge der Menstruation variiert auch ob menstruierenden Personen dabei Beschwerden haben, welche auftreten und wie stark diese sind. Sehr häufig sind Krämpfe im Unterleib. Diese werden durch Kontraktionen des Gebärmuskels hervorgerufen. Das Anspannen und Entspannen dieser Muskelpartie dient dazu die Gebärmutterschleimhaut schneller ausscheiden zu können. Andere, ebenfalls sehr verbreitete Menstruationsbeschwerden sind Kopf- und Rückenschmerzen, Verdauungsprobleme (wie Durchfälle oder Verstopfung), Übelkeit, Wassereinlagerungen, Hautunreinheiten, Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Leistungsabfall oder Stimmungsschwankungen. Treten die eben aufgezählten Symptome schon vor der Menstruationsblutung ein, spricht man von (PMS) dem Prämenstruellen Syndrom.

1 Kleiner Disclaimer…in der Folge ist oft nur von Frauen die Rede. Das Thema betrifft allerdings alle menstruierenden Personen. Denn neben einem Großteil der Frauen menstruieren auch einige Personen die sich als trans, inter oder non-binär identifizieren.

² Natürlich können auch mehrere Eizellen in den beiden Eierstöcken heranreifen.

Autorin: Katharina Knierim

Vom Krebs zur Miss Germany Wahl 2021
Dana Holzner

Seit 1927 gilt Miss Germany als der bedeutendste Schönheitswettbewerb Deutschlands. Seit 2020 setzt der Contest ein neues Konzept um.
Mit der Miss Germany Wahl 2020 und dem Sieg von der aktuellen Miss Germany, Leonie von Hase, soll eine Wende in der Geschichte markiert werden.
Bis 2018 durften die Bewerberinnen höchstens 29 Jahre alt sein, weder Kinder haben noch einen Ehemann.
Leonie ist 35 Jahre alt und Mutter eines kleinen Sohnes.
Und: Statt der perfekten Maße soll die Miss Germany seit diesem Jahr nun etwas zu sagen haben.
Die Vorstellungsrunde im Bikini oder anderer Bademode wurde nach Jahrzehnten ersatzlos gestrichen. Sie soll es auch künftig nicht mehr geben.
Zudem können in diesem Jahr neben der Jury erstmals auch Publikum und Online-Zuschauer mit abstimmen.
Zusammengefasst: Die Jury soll nicht länger das Aussehen der Kandidatinnen bewerten, sondern ihre Botschaft.
Charakter, Geschichte und Personality – echte Powerfrauen werden unter dem Motto „Empowering Authentic Women“ gesucht.

«Ein klassischer Schönheitswettbewerb, bei dem sich junge Frauen in Badebekleidung den Blicken und dem Votum einer überwiegenden männlichen Jury stellen, ist nicht mehr zeitgemäß», sagt Max Klemmer (24), Junior-Chef der Miss-Germany-Corporation.

Der Unterschied zu Germanys Next Topmodel sei laut den Veranstaltern die Tatsache, dass Optik alleine nicht ausreiche um Miss Germany zu werden.
Im Finale werden 16 Frauen für ihr Bundesland kämpfen – unser Talkgast Dana Holzner aus Baden-Württemberg kämpft um den Titel der Miss Germany 2021.

Autorin: Shannon Gäde

Maske statt Mikro!
Balu

Die Veranstaltungs- und Kulturbranche während der Pandemie

Die Covid-Pandemie… sie betrifft uns alle. Und jeder von uns spürt die Auswirkungen die das Virus auf das gesellschaftliche Leben- auf unser soziales Miteinander hat. Um die Lage für die Veranstaltungs- und Kulturbranche zu verstehen blicken wir nochmal auf die Beschlüsse der letzten 7 Monate zurück. Bereits am 22. März verkündete die Bundeskanzlerin, dass sich Bund und Länder auf Kontaktbeschränkungen geeinigt hatten. Das hatte außerdem zur Folge, dass unteranderem der Einzelhandel, die Gastronomie sowie kulturelle Institutionen geschlossen bleiben mussten. Knapp einen Monat später folgte der nächste Beschluss. Der Einzelhandel durfte unter der Voraussetzung, dass Hygienekonzepte eingehalten werden, wieder öffnen. Mit dem Beschluss wurden jedoch Großveranstaltungen „mindestens bis zum 31. August 2020 untersagt“. Im Beschluss von Anfang Mai wurde die schrittweise Öffnung verschiedener Branchen und Einrichtungen beschlossen. Der 13. Unterpunkt der Beschlussordnung ging hierbei sogar explizit auf Kinos, Theater, Konzerthäuser und Opern ein. Für diese Einrichtungen gab es jedoch keine einheitliche, bundesweite Regelung. Die Entscheidung ob und unter welchen Auflagen diese Institutionen öffnen können, war Ländersache. Um die finanziellen Einbußen durch das vorläufige Berufsverbot abzufedern, konzipierte der Bund verschiedene Behelfsmaßnahmen und Unterstützungen, wie die Kurzarbeitsregelungen, das Vereinfachen von Förderanträgen oder Soforthilfen. Die Höhe der Soforthilfen variiert von Bundesland zu Bundesland.  Seit dem 3. November gibt es ein neues Hilfsprogramm der Bundesregierung namens „Neustart Kultur“, welches ca. 1 Milliarde Euro Förderung zur Verfügung stellt.

Angehörige der Branche kritisieren die bisherigen Hilfsangebote jedoch stark. Das Überbrückungsgeld, welches für Unternehmen, Freiberufliche und Selbstständige angeboten wird, deckt nur Anteilige die laufenden Fixkosten, die trotz des stehenden Betriebs anfallen. Umsatzausfälle werden nicht abgefangen, weshalb vielen Mitgliedern der Branche -nach eigenen Aussagen- nichts anderes übrig bleibt als unfreiwillig Arbeitslosengeld II zu beantragen. Aus dieser Unzufriedenheit heraus gründete sich das Bündnis #AlarmstufeRot. Hierbei ist anzumerken, dass das Bündnis nicht das gesetzliche Arbeitsverbot kritisiert, sondern das Fehlen der ausgleichenden Maßnahmen, um das Überleben der Branche zu sichern. Das Hauptargument des Bündnisses bezieht sich auf die wirtschaftliche Kraft der Veranstaltungs- und Kulturbranche. Mit 1 Millionen Beschäftigten und 130 Milliarden Euro Umsatz jährlich, bildet die Branche den 6. größten Wirtschaftszweig Deutschlands. Das Bündnis stellt daher verschiedene Forderungen, die beispielweise gesetzliche Anpassungen und Ausweitungen der Förderprogramme umfassen.

Wenn euch dieses Thema interessiert möchten wir euch an dieser Stelle noch 2 Reportagen des WDR empfehlen. Die Beiträge „Corina-wird das meine Pleite?“ und „Arbeitslos durch Corona-von der Politik im Stichgelassen?“ sind auf Youtube verfügbar.

Autorin: Katharina Knierim

Mit 58 schwanger – Na und?
Dagmar Michalsky

Was versteht man eigentlich unter einer Risikoschwangerschaft?

Wenn eine Schwangerschaft festgestellt wird, wird eine ausführliche Anamnese der werdenden Mutter durchgeführt. Dabei wird nach Erbkrankheiten und Vorerkrankungen wie zum Beispiel Asthma, Epilepsie, Herz-, Nieren- und Schilddrüsenerkrankungen gefragt. Auch vorherige Schwangerschaftsverläufe bzw. Fehlgeburten spielen eine große Rolle. Ist die Schwangere unter 18 oder über 35 Jahre alt, gilt dies ebenfalls aus Risikofaktor. Wenn eines dieser Kriterien erfüllt wird, spricht man von einer Risikoschwangerschaft. Hierbei ist anzumerken, dass Risikoschwangerschaften nicht zwangsläufig problematisch verlaufen müssen. Vielmehr geht es bei dieser Kategorisierung darum, auf mögliche Komplikationen vorbereitet zu sein und somit die werdende Mutter und ihr Kind optimal betreuen zu können.

Doch warum stellt das Alter der Mutter ein mögliches Risiko da? Laut den Informationen der Seite familienplanung.de, einer Seite die von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung betrieben wird, steigt ab einem Alter von 35 Jahren das Risiko eine Fehlgeburt zu erleiden. Zudem „nehmen (…) verschiedene Risiken wie ein Schwangerschaftsdiabetes, eine vor dem Muttermund liegende Plazenta (Placenta praevia) oder ein schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck zu. Sie können das Risiko für Fehlgeburten oder vorgeburtliche Entwicklungsstörungen zusätzlich erhöhen.“

Mit der Frage, wie sich das Alter der Frau auf Schwangerschaft und Geburt auswirken, befasst sich unter anderem Sarka Lisonkova von der University of British Columbia. In einer Studie, die im Mai 2017 veröffentlich wurde, untersuchten Lisonkova und ihr Team ob es einen Zusammenhang zwischen dem Alter von Schwangeren und lebensbedrohliche Komplikationen bei der Geburt bzw. der Sterblichkeitsrate von Müttern und ihrem Baby gibt. Aus den Daten ergab sich, dass die Sterblichkeitsrate bei Schwangeren im Teenagealter signifikant höher lag, als die der Schwangeren im Alter zwischen 20-29. Nach Bereinigung der Störfaktor verschwand dieses erhöhte Risiko jedoch. Ab einem Alter von 39 stiegen die Zahlen der lebensbedrohlichen Komplikationen während der Geburt exponentiell und waren auch noch nach der Bereinigung der Störfaktoren signifikant. Im Ergebnis der Studie wird angemerkt, dass trotz des groß angelegten Studienaufbaus nicht hinreichend statistisch belegt werden kann, dass ein Zusammenhand zwischen dem Alter der Schwangeren und der Mortalität bei der Geburt festgestellt werden kann.

Das Embryonenschutzgesetz wurde im Dezember 1990 erlassen und soll die missbräuchliche Verwendung von Fortpflanzungstechnik vorbeugen. Das Strafgesetzbuch definiert den Embryo als befruchtete und entwicklungsfähige Eizelle, ab dem Zeitpunkt der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle. Durch das Gesetz wird vorgegeben welche Methoden in der Kinderwunschbehandlung zulässig und welche unter Strafe stehen. Im Informationsmaterial der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung werden die legalen Methoden von Kinderwunschbehandlungen aufgelistet. Die Insemination von Samen des Partners oder eines Spender, sind zulässig. Zudem dürfen der weiblichen Kinderwunschpatientin Eizellen entnommen, künstlich befruchtet und wieder eingesetzt werden. Das Wiedereinsetzten ist auf maximal 3 befruchtete Eizellen bzw. Embryonen pro Zyklus beschränkt. Entstehen mehr als 3 Embryonen bei der Behandlung dürfen die übrigen nicht gespendet werden. Auch Eizellenspenden und Leihmutterschaft sind in Deutschland verboten. Das Selektieren von Embryos ist nur in Ausnahmen zulässig. Beispielsweise darf nach Geschlecht selektiert werden, wenn ein Kind vor einer schweren geschlechtsgebundene Erbkrankheit bewahrt werden kann. Das Embryonenschutzgesetzt steht seit langem in der Diskussion und wird von Kritikern als veraltet  wahrgenommen. Durch eine Lockerung könne es auch gleichgeschlechtlichen Paaren ermöglicht werden eine Familie zu gründen. Anhand der Studie Cross border reproductive care in six European countries, die 2010 veröffentlich wurde, zeigte sich, dass Kinderwunsch-Zentren in Belgien, Dänemark, der Schweiz, Slowenien, Spanien und Tschechien ca. 15.000 ausländische Patientinnen behandeln. In den aufgezählten Ländern sind Eizellenspenden möglich.

Autorin: Katharina Knierim

Meine Tochter starb an Krebs
Barbara Stäcker

Das Ewing-Sarkom, benannt nach dem New Yorker Krebsforscher James Ewing, wird vom Deutschen Krebsforschungszentrum als bösartiger Knochentumor beschrieben, welcher überwiegend im Kindes- und jungen Erwachsenenalter auftritt. Nach dem Osteosarkom gilt das Ewing-Sarkom als die zweithäufigste Knochenkrebsform. Die Entstehung dieser Art des Knochenkrebses beginnt im Knochenmark. Bei der Ausbreitung kann dann der Knochen und/oder umliegendes Gewebe befallen werden.

Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften oder kurz AWMF schreibt in ihren Ewing-Sarkom Leitlinien von 2014, dass die Symptome dieser Krebsform unspezifisch sind. Beschrieben werden lokale Schmerzen, die häufig nach einem banalen Trauma, wie einem Sturz auftreten. Schließlich können auch Schwellungen und Funktionsverlust eintreten. Durch die unspezifische Symptomatik und das junge Alter der Patientinnen und Patienten werden fälschlicherweise oft Wachstumsschmerzen oder Sportverletzungen diagnostiziert. Laut der AWMF haben bereits 20-30% der Erkrankten Fernmetastasen, wenn das Ewing-Sarkom festgestellt wird. Diese treten häufig in der Lunge oder im Skelettsystem auf.

Nach den Informationen der Website kinderkrebsinfo.de und des Deutschen Krebsforschungszentrums, besteht die Therapie des Ewing-Sarkoms aus mehreren Phasen. Eine erste, sehr starke Chemotherapie soll zunächst den Tumor verkleinern. In einer OP wird versucht diesen vollständig zu entfernen. Gegebenenfalls folgt darauf eine weitere Chemotherapie, um mögliche Reste des Tumors zu bekämpfen. Im Gegensatz zum Osteosarkom ist eine Strahlentherapie beim Ewing-Sarkom wirksam und daher ebenfalls ein geeignetes Therapiemittel.

Der Verein Nana-Recover your Smile e.V. wurde 2012 unter anderen von unserer heutigen Interview Partnerin Barbara Stäcker gegründet. Im Februar 2013 wurde Barbaras Buch „Nana-…der Tod trägt Pink“ veröffentlicht, welches in Zusammenarbeit mit der Cross Media Autorin und weiteres Vereins-Gründungsmitglied Dorothea Seitz entstand.
In einer Studie der Universität Salzburg und der LMU München wurde 2015 untersucht, wie sich eine sogenannte kurzfristige psychosoziale Intervention, wie sie durch Nana-Recover your Smile angeboten wird, auf Brustkrebspatientinnen, die sich einer Chemotherapie unterzogen haben, auswirkt. Hierbei zeigte sich, dass das subjektive Wohlbefinden der Patientinnengruppe zunahm, welche an Make-up Workshops und Fotoshoots des Vereins teilnahmen. Aus den Ergebnissen der Studie schlussfolgerten die StudienleiterInnen, dass es Hinweise darauf gibt, dass die zuvor genannten Interventionen die Lebensqualität von KrebspatientInnen verbessern und Symptome einer Depression verringern können.

Autorin: Katharina Knierim

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